• vom 21.08.2017, 20:31 Uhr

Weltpolitik


Dan Schueftan

"Die Lage im Nahen Osten ist hoffnungslos"




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Von Thomas Seifert

  • Der Provokateur und Hardliner Dan Schueftan über die Zukunft des Nahen Ostens, die Abschottung Israels und die Tugend der Schwarz-Weiß-Malerei.

- © Seifert

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"Wiener Zeitung": Bürgerkrieg im Irak und in Syrien, Arabellion: Wie schätzen Sie die Lage im Nahen Osten ein?

Dan Schueftan: Hoffnungslos. Die Situation ist nicht nur übel, sie wird immer schlimmer. Vielleicht ist die Lage in Tunesien oder in einigen Ländern des Golfs nicht so verzweifelt, aber ansonsten ist die Region im Chaos. Jene, die sie verlassen, tun das nicht, um woanders Unterschlupf zu finden, sondern weil sie wissen, dass es dort keine Zukunft gibt - weder für sie selbst noch für ihre Kinder und Kindeskinder. Da sehe ich kaum einen Unterschied zwischen großen Ländern und kleinen, Ländern mit Öl oder ohne, Ländern mit sunnitischer Mehrheit oder schiitischer, Ländern mit Kolonialvergangenheit und ohne - alle sind in einem katastrophalen Zustand. Was sie gemeinsam haben, ist tribalistische arabische Polit-Kultur.


Zu sagen, alles sei eine Frage der politischen Kultur, Kolonialismus sowie israelische und US-Invasionen hätten keinen negativen Einfluss gehabt - ist das nicht geschichtsignorant?

Ich gestehe: Ich bin extrem politisch inkorrekt. Aber zu meiner Verteidigung sage ich, dass man nicht intelligent und politisch korrekt zur selben Zeit sein kann.

Doch. Das geht, glauben Sie mir.

Wenn Sie meinen, bitte. Ich bleibe aber dabei: Kultur ist der Schlüssel. Was extrem reiche Länder - wie etwa den Irak oder Libyen - extrem arm macht, ist ausschließlich arabische Polit-Kultur. Der Hauptexportartikel der Araber sind Entschuldigungen. Sie jammern bis heute über den Kolonialismus. Aber Saudi-Arabien war beispielsweise nie kolonisiert. Plus: So schlimm ist Kolonisierung nicht. Wir haben den britischen Kolonialismus in Palästina genutzt, um zu lernen, wie man sich zivilisiert benimmt. Die meisten Aschkenasim kamen aus den ärmsten Regionen Europas. Keiner von denen wusste, was ein Justizsystem ist, dass man Menschen vor dem Recht gleich behandelt, niemand hatte eine Ahnung, wie Beamtenschaft funktioniert. All das haben wir von den Briten gelernt. Was ich sagen will: Natürlich ist der Kolonialismus zu verdammen. Aber man kann sich die Dinge herauspicken, die funktionieren. Die arabische Welt verweigert es, sich auf die moderne Welt einzustellen. Pluralismus ist unbekannt. Wenn man in einer Nachbarschaft lebt, die so instabil, gewalttätig und frustrierend ist, dann muss man schon Europäer sein, um einen Satz so bilden, der das Wort "Nahost-Frieden" enthält.

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Dokument erstellt am 2017-08-21 17:57:06




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