• vom 25.08.2017, 21:01 Uhr

Weltpolitik

Update: 26.08.2017, 16:00 Uhr

Myanmar

Dutzende Tote bei Guerilla-Attacken in Myanmar




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  • Militante Rohingya überfallen Polizei und Militär. Experten warnen schon lange vor einer Radikalisierung der diskriminierten Minderheit.

Die Rohingya leben in Angst. Hier zeigt eine Frau aus einem Dorf in Rhakine ein Foto ihres Sohnes, der im Juli erstochen wurde. - © afp

Die Rohingya leben in Angst. Hier zeigt eine Frau aus einem Dorf in Rhakine ein Foto ihres Sohnes, der im Juli erstochen wurde. © afp



Sittwe/Wien. (lse/reu/apa) Erneut hat der Konflikt mit den Rohingya in Myanmar (Burma) Todesopfer gefordert. Bei einer Angriffsserie auf dreißig Polizeiposten und eine Militärbasis sollen am Freitag im Bundesstaat Rakhine insgesamt 89 Menschen getötet worden sein. Das verkündete der myanmarische Armeechef Min Aung Hlaing. Myanmars Armee und Regierung beschuldigten schnell militante Rohingyas, verantwortlich für die koordinierten Überfälle zu sein.

In der Tat bekannte sich wenig später die Arakan Rohingya Befreiungsarmee (ARSA) zu den Attacken. Unter den Opfern seien laut Armee 77 Aufständische sowie zwölf Polizisten, ein Soldat und ein Immigrationsbeamter.


Nur wenige Stunden vor den Angriffen verkündete noch ein UN-Gremium, geleitet vom ehemaligen Generalsekretär Kofi Annan, Empfehlungen für eine Stabilisierung des konfliktgebeutelten Landes. Das Gremium warnte vor einer Radikalisierung von benachteiligten Gruppen, falls die Regierung von Myanmar keine politischen Lösungen für ein friedliches Zusammenleben fände. Es scheint jedoch, als wäre eine solche Radikalisierung bereits im Gange. Rund 1,1 Millionen Rohingya, die Muslime sind, leben im sonst großteils buddhistischen Myanmar. Sie gehören seit Jahrzehnten zu den ärmsten und am wenigsten geschützten Minderheiten der Welt. Sie besitzen nicht einmal die myanmarische Staatsbürgerschaft, damit sind sie staatenlos.

Auch dass sich Myanmar nach jahrzehntelanger Militärdiktatur nun demokratisiert hat, hat ihnen nichts genützt. Ganz im Gegenteil: 2015 wurden vor den Wahlen 2015 ihre Rechte noch weiter beschnitten. Die Denkfabrik "International Crisis Group" nannte bereits in einem im Dezember 2016 erschienenen Bericht die politische Diskriminierung der Rohingya als eine Ursache für die Gründung der ARSA-Miliz 2012. Diese scheint immer professioneller zu agieren. Das hatte sich schon im vergangenen Oktober gezeigt. Damals hatte ARSA Grenzposten angegriffen, neun Polizeibeamte wurden getötet. Dabei fiel auf, dass die gut organisierte ARSA moderne Guerilla-Taktiken beherrscht. Außerdem kann sie zunehmend mit Sympathien in der Rohingya-Bevölkerung rechnen. Die Operationen der Miliz würden zum Teil durch Fatwas von islamischen Geistlichen gerechtfertigt, heißt es im Bericht der International Crisis Group.

Während der Angriffe am Freitag sei die Miliz zahlenmäßig fünfmal stärker als noch im Oktober gewesen, berichtete die Armee. Um ein Uhr morgens hätten die Aufständischen mit Sprengkörpern, Stöcken und Schwertern die ersten Polizeiposten überfallen. Der Anführer von ARSA, Ata Ullah, kündigte mittels des Kurznachrichtendienstes Twitter an, dass weitere Angriffe zur Verteidigung der Rohingya folgen würden.




Schlagwörter

Myanmar, Rohingya, Buddhismus

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Dokument erstellt am 2017-08-25 17:57:09
Letzte ─nderung am 2017-08-26 16:00:08




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