• vom 25.08.2017, 17:54 Uhr

Weltpolitik

Update: 25.08.2017, 18:03 Uhr

Thailand

Plötzlich war sie weg




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Von Klaus Huhold

  • Thailands frühere Premierministerin Yingluck Shinawatra hat sich offenbar ins Ausland abgesetzt.

Yingluck Shinawatra ist vor allem

Yingluck Shinawatra ist vor allem Yingluck Shinawatra ist vor allem

Bangkok. Zuerst hieß es, sie habe Kopfweh und Ohrenschmerzen und könne deshalb nicht vor Gericht erscheinen. Dann war Thailands frühere Premierministerin Yingluck Shinawatra plötzlich verschwunden. Offenbar war sie ins Ausland geflohen. Das sagten ihr nahestehende Personen. Wohin, war am Freitag noch unklar. Vertreter der derzeit in Thailand herrschenden Militärregierung gaben jedenfalls bekannt, dass sie Thailand über keinen offiziellen Weg verlassen habe. Kurz nach ihrem Verschwinden wurde gegen Yingluck ein Haftbefehl erlassen.

Die 50-jährige frühere Spitzenmanagerin kam damit dem Spruch eines Sondergerichts für politische Straftaten zuvor, durch den ihr bei einer Verurteilung zehn Jahre Haft drohten. In dem Prozess ging es um ein Subventionsprogramm für Reisbauern während der Regentschaft von Yingluck, die von Sommer 2011 bis Mai 2014 das südostasiatische Land regierte.


Ihr wird zur Last gelegt, mit staatlichen Subventionen für Reis - ein Grundnahrungsmittel in Thailand - Milliarden verschwendet zu haben. Damals kaufte die Regierung Reisbauern die Ernte weit über dem Marktwert ab. Zudem wurden auch immer wieder Vorwürfe laut, dass Gelder nicht bei den Bauern ankamen, sondern in den Taschen von Zwischenhändlern landeten. Im Raum steht ein Schaden zwischen umgerechnet zwischen drei und 14 Milliarden Euro.

Die ehemalige Premierministerin wies alle Vorwürfe als "politische Machenschaften" zurück. Immer wieder hatte sie das schon während ihrer Regierungszeit umstrittene Programm damit verteidigt, dass es der Armutsbekämpfung gedient habe.

Die Verkündung des Urteils wurde nun verschoben. Sollte Yingluck (die eigentlich versprochen hatte, in Thailand zu bleiben) nicht wieder in ihrer Heimat auftauchen, wird das Urteil voraussichtlich Ende September verkündet. Unabhängig davon, ob Yingluck nun schuldig ist oder nicht - das Urteil wird politisch gedeutet werden. Für ihre Anhänger, die während des Prozesses immer wieder vor dem Gerichtsgebäude in Bangkok protestierten, war es schon eine politische Intrige, dass es überhaupt zu dieser Anklage kam, und sie glauben auch nicht an die Neutralität des Gerichts. Das führt mitten hinein in einen Konflikt, der das Land seit 16 Jahren polarisiert.

Yingluck Shinawatra ist die jüngste Schwester des Selfmade-Milliardärs Thaksin Shinawatra. Dieser war ebenfalls Premier, und zwar von 2001 bis 2006, bevor er vom Militär gestürzt wurde. Ein thailändisches Gericht hat ihn später wegen Korruption verurteilt, doch er hatte sich zuvor schon ins Exil abgesetzt.

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Dokument erstellt am 2017-08-25 18:00:06
Letzte nderung am 2017-08-25 18:03:21




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