• vom 28.08.2017, 17:22 Uhr

Weltpolitik


Hurrikan Harvey

Mit Jet-Skis und Menschenketten gegen Hurrikan "Harvey"




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Katie Schubauer

  • Bewohner im Großraum Houston holen ihre Mitmenschen aus den Fluten. US-Präsident Trump ruft Ausnahmezustand aus.



Houston. (afp) Bryan Curtis fährt normalerweise zum Vergnügen mit seinem Jet-Ski. Nun hat er ihn zum Rettungsfahrzeug umfunktioniert. Curtis lebt in Conroe, etwas nördlich der texanischen Metropole Houston. Er ist einer der vielen Zivilisten, die bei der Rettung der Flutopfer helfen, die Monstersturm "Harvey" mit seinen ungeheuren Wassermassen zurückgelassen hat. "Es geht nur darum, dass die Menschen Hilfe brauchen, ich bin hier, um zu helfen, ich will etwas beitragen", sagt Curtis.

Wegen des Sturms "Harvey" hat US-Präsident Donald Trump auch für den Bundesstaat Louisiana den Katastrophenfall ausgerufen. Das Weiße Haus verkündete am Montag die Entscheidung, auf deren Grundlage Bundesmittel zur Behebung von zu erwartenden Sturmschäden freigegeben werden können. Am Dienstag will Trump den Sturmopfern im Bundesstaat Texas einen Besuch abstatten.


Doch bisher überfordert das Ausmaß der Katastrophe in Houston - der viertgrößten Stadt der USA und der größten im Bundesstaat Texas - die staatlichen Rettungskräfte völlig. Bei den Rettungsaktionen hilft deshalb nun eine ganze Reihe an Freiwilligen, wie eben Bryan Curtis. Einige bildeten Menschenketten, andere warfen ihre Motorboote an, um ihre Mitmenschen aus den Wassermassen in Sicherheit zu bringen.

Menschen in Houston waten durch die Wassermassen.

Menschen in Houston waten durch die Wassermassen.© ap/Riedel Menschen in Houston waten durch die Wassermassen.© ap/Riedel

"Harvey" hatte Texas am Freitagabend (Ortszeit) als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie erreicht. Es war der stärkste Wirbelsturm seit 2005, der das US-Festland traf, und der stärkste seit 1961 in Texas. Binnen 24 Stunden fielen in Houston 60 Zentimeter Regen. Bis Donnerstag könnten es insgesamt 127 Zentimeter werden. Mindestens drei Menschen kamen bereits ums Leben.

In Houston wurden Straßen zu Flüssen, Autos kommen dort nicht mehr voran. Einige der wenigen Fahrzeuge, die in der Millionenmetropole noch auf den Straßen zu sehen sind, sind riesige Lastwagen - an Bord gerettete Menschen.

"Wir gehen der Reihe nach durch die Stadtteile und machen uns über Lautsprecher bemerkbar", sagt der örtliche Beamte Alan Rosen dem Lokalsender KTRK. "Wir versuchen, die Leute auf uns aufmerksam zu machen, und rufen: ‚Hey, seid ihr bereit zur Evakuierung?‘" Es gebe aber nicht genügend Mittel, um jeden zu retten, klagt er. "Wir tun wirklich alles, was wir können."

Curtis sagt, er und ein Freund hätten der Katastrophenschutzbehörde ihre Hilfe per Jet-Ski angeboten. "Wir warten nur auf einen Anruf von ihnen, um zu erfahren, wo sie uns brauchen", sagt er.

Jet-Ski oder Boot bleiben oft die letzten Mittel auf der Suche nach Menschen, die das Wasser von der Außenwelt abgeschnitten hat. Auch James Lofton hilft bei den Rettungseinsätzen. Mit seinem Boot hat der Bewohner von Houstons Vorort Spring Valley bereits zahlreiche Menschen aus dem Hotel "Omni" in Sicherheit gebracht.

"Wir haben den ganzen Nachmittag über Leute vom ‚Omni‘ weggebracht", erzählt Lofton. Eine der Letzten, die das Hotel verließ, war eine Frau, die gerade erst eine Rückenoperation hinter sich hat und sehr vorsichtig an Bord von Loftons Boot gebracht werden musste. "Man konnte sehen, dass es eine schmerzhafte Fahrt für sie war", sagt Lofton.

Auch in Victoria, einer 67.000-Einwohner-Stadt in Texas, ist die Lage dramatisch. "Gott, hilf uns allen", ist auf einem Brett zu lesen, mit dem das Fenster eines Hauses verrammelt ist.

"Wir haben im Moment kein Trinkwasser", klagt John Moraida. "Wir müssen Wasser suchen, oder wir sammeln Regenwasser, um die Toilette spülen zu können", sagt der Bewohner von Victoria.

Auch wenn sich der Wind in Victoria abgeschwächt hat, ist es erst der Beginn der katastrophalen Überschwemmungen in der Region, denn der Regen lässt nicht nach. Während sich die Bewohner fragen, was noch kommt, hat der Katastrophenschutz bereits angekündigt, dass der Wiederaufbau Jahre dauern wird.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-28 17:27:09




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Unruhe vor dem Sturm
  2. Mugabe wird doch kein Sonderbotschafter
  3. Glück geht auch ohne Demokratie
  4. Wahltriumph für Ministerpräsident Abe
  5. Rückenwind für Präsident Macri
  6. Keine Scheu vor Deal mit Rechten
  7. Rechte siegen in Japan - Debatte um Verfassungsänderung


Werbung


Werbung