• vom 01.09.2017, 17:59 Uhr

Weltpolitik

Update: 01.09.2017, 21:55 Uhr

Irak

Auch Tal Afar ist vom IS befreit




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • Bagdad hat die Schlacht um die einst 200.000 Einwohner zählende Stadt gewonnen. Befriedet ist Tal Afar aber noch nicht.

Mit Siegeszeichen marschieren irakische Soldaten durch Tal Afar.

Mit Siegeszeichen marschieren irakische Soldaten durch Tal Afar.© afp/Ahmad Al-Rubaye Mit Siegeszeichen marschieren irakische Soldaten durch Tal Afar.© afp/Ahmad Al-Rubaye

Erbil. Jetzt ist es also so weit. Zum Beginn des muslimischen Opferfestes, Aid al-Adha, verkündet Iraks Premierminister Haider al-Abadi die vollständige Rückeroberung von Tal Afar und aller umliegenden Gemeinden und Dörfer. Damit ist die gesamte Provinz Ninive wieder unter der Kontrolle der Regierung in Bagdad. Für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (Daesh) ist das ein herber Rückschlag. Ihr ehemals riesiges Herrschaftsgebiet im Irak schrumpft damit weiter. In seiner Erklärung im irakischen Fernsehen drohte al-Abadi den Extremisten mit weiteren Angriffen: "Wir sagen den Kämpfern von Daesh: Wo immer ihr seid, wir kriegen euch." Die Aufständischen hätten die Wahl zwischen Aufgeben und Tod.

Nach Angeben der von den Amerikanern geführten Anti-IS-Koalition haben die Iraker inzwischen 90 Prozent des ehemals von der Terrormiliz kontrollierten Gebietes zurückerobert. Sie lobte die Einnahme Tal Afars als "einen weiteren bedeutenden Erfolg" von Iraks Sicherheitskräften. Zugleich warnte der Oberkommandierende Stephen Townsend, es gebe in der Stadt noch gefährliche Aufgaben. So müssten Sprengfallen entschärft und versteckte IS-Kämpfer aufgespürt werden. Bereits am vergangenen Wochenende sprachen die irakischen Sicherheitskräfte vom Sieg über Tal Afar, Verteidigungsminister Erfan al-Hiyali besuchte daraufhin das Zentrum der Stadt, wo die irakische Fahne gehisst und das Banner der Dschihadisten verbrannt wurde. Doch es sollte noch eine weitere Woche dauern, bis Tal Afar gänzlich befreit war.



Die Stadt liegt rund 70 Kilometer westlich von Mossul und hatte vor ihrer Eroberung durch den IS über 200.000 Einwohner. Wie viele Zivilisten sich jetzt noch dort aufhalten, ist unklar. 40.000 sollen in den letzten Wochen geflohen sein. Dass der Kampf um Tal Afar nur zwei Wochen gedauert hat, verwundert indes. Denn die meisten Beobachter sagten einen langen und schwierigen Kampf voraus, schwieriger noch als die Schlacht um Mossul - nicht im militärischen Sinne, sondern weil sich in der Stadt Ethnien und Religionen mischen wie sonst nirgendwo im Irak. Die Spannungen zwischen den einzelnen Gruppen seien militärisch nicht zu lösen. Wie schwierig die Lage in Tal Afar ist, macht ein Bericht des "Middle East Research Instituts" (MERI) - Recherche-Institut Mittlerer Osten - mit Sitz in der Kurdenmetropole Erbil deutlich.

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Kriegsverbrechen
Darin schreibt Khogir Wirya, dass die Eroberung Tal Afars durch Daesh (arabisch für IS) am 16. Juni 2014 das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten in der Region stark beschädigt habe - vor allem aber die Beziehungen der dort lebenden Turkmenen mit den anderen Ethnien. Denn anders als die Kurden, die mehrheitlich dem sunnitischen Islam angehören - ebenso wie die arabischen Einwohner im Norden des Landes -, sind die Turkmenen in Tal Afar beides. Es gibt sowohl Sunniten als auch Schiiten unter ihnen. Die meisten Turkmenen flohen vor Daesh, da sie sich sofort im Fadenkreuz des Terrors befanden. Einige sunnitische Turkmenen aber blieben und schlossen sich der ebenfalls sunnitischen Terrormiliz an. Nun werden sie beschuldigt, Kriegsverbrechen auch gegen ihre eigene Ethnie begangen zu haben. Seit Daesh die Kontrolle über Tal Afar übernommen hat, seien dort mehr als 3000 Vertreter der turkmenischen Minderheit umgebracht worden, schreibt die irakische Nachrichtenagentur INA.

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Dokument erstellt am 2017-09-01 18:03:20
Letzte ─nderung am 2017-09-01 21:55:52




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