• vom 06.09.2017, 18:07 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.09.2017, 21:02 Uhr

Nordkorea

"Die gefährlichste Krise der Welt"




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  • UN-Generalsekretär Antonio Guterres in Sorge um den Frieden auf der koreanischen Halbinsel. Eskalation schreitet fort.

Seoul/Pjönjang. (apa/reuters/
dpa/sei) Der frühere australische Premier Kevin Rudd spricht fließend Mandarin, ist exzellenter Ostasien-Experte und hat beste Kontakte zur chinesischen Führung. Rudd gilt als besonnener, kühler Kopf. Als Rudd am Mittwoch in einer Analyse für den "Sydney Morning Herald", das Risiko eines neuen Koreakrieges mit 20 bis 25 Prozent bezifferte, so ist das nicht als die exzentrische Meinung eines Alarmisten abzutun, sondern als realistische Einschätzung der Lage. Rudd sieht die Gefahr deshalb so groß, weil die unterschiedlichen Parteien die andere Seite so schwer einzuschätzen vermögen. So vertraue China nach Rudds Ansicht zu sehr darauf, dass sich die USA mit der Tatsache, dass Nordkorea zur Atommacht aufsteigen, abfinden würden. Zudem: "Ein nuklear bewaffnetes Nordkorea ist ein Neun-von-zehn-Punkten-Problem für die USA, aber ein nur Einer-von-zehn-Punkten-Problem für China", schreibt Rudd. Peking würde davon ausgehen, dass die USA von einem unilateralen Vorgehen aufgrund der unabwägbaren Konsequenzen für Südkorea und Japan absehen würden. Die USA würden aber wiederum danach trachten, dass die Drohungen einer unilateralen Attacke gegen nordkoreanische Armee-Anlagen glaubwürdig sind - zumindest glaubwürdig genug, damit Peking größeren Druck gegen Pjöngjang ausübt.

Die Nervosität auf allen Seiten steigt jedenfalls weiter. Zuletzt hat Südkoreas Präsident Moon Jae-in vor einer "unvorhersehbaren" Entwicklung der Nordkorea-Krise gewarnt. Es sei nicht mehr absehbar, was passiere, wenn die Regierung in Pjöngjang ihre Provokationen nicht beende, sagte Moon am Mittwoch nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin am Rande eines Wirtschaftsgipfels in Wladiwostok.


Nordkorea hatte am Dienstag nach seinem bisher größten Atomtest den USA mit "weiteren Geschenkpaketen" gedroht. Putin rief erneut dazu auf, die Krise durch Gespräche zu überwinden. Sanktionen und Druck alleine reichten nicht aus. Die Krise lastete erneut auf den Märkten in Asien und Europa. Der russische Präsident bezeichnete das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas als eklatanten Verstoß von UN-Resolutionen und eine Bedrohung für die Sicherheit Nordostasiens. Allerdings könne es ohne politische und diplomatische Anstrengungen keine Fortschritte geben.

Weitere Sanktionen?
Während Südkorea, die USA und Deutschland für härtere Sanktionen plädieren, zweifeln Russland und China deren Sinn an. Bisher haben die von den Vereinten Nationen verhängten Strafmaßnahmen Nordkorea nicht von seinem Kurs abgebracht. Diplomaten erklärten, der UN-Sicherheitsrat könnte als weitere Sanktionen ein Verbot von nordkoreanischen Textilexporten, Landeverbote für nordkoreanische Flugzeuge, Einreiseverbote für nordkoreanische Funktionäre, ein Entsendeverbot für nordkoreanische Arbeiter und die Unterbindung von Öllieferungen in Betracht ziehen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-06 18:12:09
Letzte nderung am 2017-09-06 21:02:07




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