• vom 14.09.2017, 17:39 Uhr

Weltpolitik

Update: 14.09.2017, 21:06 Uhr

Syrien

Assad gewinnt den Krieg um ein Land in Trümmern




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  • Der Machterhalt des syrischen Präsidenten hat einen furchtbaren Preis.



Deir al-Zour. (ag./red) Stück für Stück kämpft sich die Armee des Präsidenten vor. Nach sechseinhalb Jahren Bürgerkrieg in Syrien zeichnet sich ein Ergebnis ab: Präsident Bashar al-Assad hat den Konflikt für sich entschieden, seine Soldaten kontrollieren den größten Teil des Landes, derzeit rücken sie auch in die Dschihadisten-Hochburg Deir al-Zour vor.

Von einem "Sieg" Assads zu sprechen, fällt schwer - zu furchtbar war der Preis, den das Land für den Machterhalt des Präsidenten zu zahlen hatte. Syrien ist weitgehend zerstört, die Wirtschaft liegt am Boden, die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht, und Frieden oder Wiederaufbau bleiben in weiter Ferne. Auch wenn Assad nicht länger um seine Macht fürchten muss, kann er sich nicht zurücklehnen. "Er gewinnt die Kontrolle über ein völlig zerstörtes Land", sagt Maha Yahya vom Politikinstitut Carnegie in Beirut. "Ich weiß nicht, ob man in dieser Situation von Sieg sprechen kann."

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Assad hat seine Macht verteidigt
Mit Unterstützung Russlands und des Iran haben Assads Truppen seit Herbst 2015 weite Gebiete von den Aufständischen und der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zurückerobert. Laut dem Geografen Fabrice Balanche kontrolliert die Armee damit mehr als die Hälfte des syrischen Territoriums, während 23 Prozent unter Kontrolle der Kurden, 15 Prozent in der Gewalt der IS-Miliz und zwölf Prozent in der Hand der Rebellen bleiben.

Rund zwei Drittel der derzeit auf 16 Millionen Menschen geschätzten Bevölkerung leben damit in Städten und Gebieten unter Kontrolle von Assads Regierung in Damaskus.

"Der Krieg geht weiter, doch in strategischer Hinsicht hat Assad jene besiegt, die ihn zu stürzen versuchten", resümiert der Syrien-Experte Aron Lund von der Century Foundation. Schon jetzt kontrolliere der Diktator die großen Bevölkerungszentren. Zu erwarten sei, dass die Regierung "Stück für Stück" auch den Rest des Landes zurückerobern werde.

Diese Realität erkennen auch die Vereinten Nationen an. Der UNO-Syriengesandte Staffan de Mistura rief die Opposition kürzlich auf, zu akzeptieren, dass sie "nicht den Krieg gewonnen" habe. Die Regierung sollte ihrerseits vermeiden, in Triumphgeschrei auszubrechen, mahnte de Mistura.

Das Hohe Verhandlungskomitee der Opposition nannte die Äußerungen "schockierend" und bekräftigte die Forderung nach dem sofortigen Rücktritt Assads. Diese Forderung erscheint jedoch völlig unrealistisch, da Assad dank der Hilfe aus Moskau und Teheran so stark ist wie seit Jahren nicht mehr.

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Schlagwörter

Syrien, Astana, Assad Bashar al, UNO

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-14 17:45:07
Letzte nderung am 2017-09-14 21:06:02




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