• vom 14.09.2017, 17:58 Uhr

Weltpolitik


Royhingya

"Wir brauchen massive Hilfe"




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  • Die Vereinten Nationen rufen die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung der geschundenen Rohingya auf.

Die meisten Rohingya sind nach der Flucht völlig ausgehungert. Doch Hilfe gibt es viel zu wenig.

Die meisten Rohingya sind nach der Flucht völlig ausgehungert. Doch Hilfe gibt es viel zu wenig.© reuters Die meisten Rohingya sind nach der Flucht völlig ausgehungert. Doch Hilfe gibt es viel zu wenig.© reuters

Yangon. (rs/dpa) Acht Tage lang war die 20-jährige Rehana Begum zu Fuß unterwegs, bis sie endlich Bangladesch erreicht hatte. In ihrem Heimatdorf in Myanmar hatten Soldaten ihren Mann getötet und das gemeinsame Haus niedergebrannt. Als die hochschwangere junge Frau zehn Kilometer hinter der Grenze war, setzten bei ihr die Wehen ein. Eine Begleiterin brachte sie an eine Stelle im Dschungel, die früher einmal ein Friedhof war. Dort wurde Rehanas Sohn geboren.

Auf Hilfe von einem Arzt oder einer Krankenschwester kann die junge Mutter allerdings nicht hoffen. Ein örtliches Krankenhaus hatte sich geweigert, Rehana aufzunehmen, weil sie eine Angehörige der muslimischen Rohingya-Minderheit ist, die man weder in Myanmar noch hier in Bangladesch haben will.

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Elende Bedingungen
Doch fehlende medizinische Betreuung ist nicht das Einzige, mit dem die knapp 400.000 Rohingya, die laut dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR schon nach Bangladesch geflohen sind, zu kämpfen haben. Weil die Lager bereits völlig überfüllt sind, campieren im Bezirk Cox’s Bazar tausende erschöpfte und ausgehungerte Menschen am Straßenrand oder in den Feldern. Aus Bambus und Kunststoffplanen werden hier dürftige Verschläge gefertigt, um die Niederschläge des ausklingenden Monsuns zumindest notdürftig abzuhalten. Doch manche Rohingya haben nicht einmal das. Eine improvisierte Matte aus Wasserpflanzen oder Plastikfolien ist alles, was diese Menschen und ihre wenigen Habseligkeiten vor dem allgegenwärtigen Matsch schützt.

Den elenden Bedingungen in Cox’s Bazar zum Trotz kommen jedoch jeden Tag tausende weitere Flüchtlinge aus dem angrenzenden Bundesstaat Rakhine über die Grenze nach Bangladesch. Denn noch immer fürchten die im buddhistischen Myanmar verhassten und entrechteten Rohingya um ihr Leben, seit die Armee dort Vergeltungsangriffe durchführt, um auf die Attacken einer muslimischen Rebellengruppe auf Polizei- und Militärposten im August zu antworten.

Dass es sich dabei nicht nur um beschränkte militärische Operationen gegen eine kleine Gruppe Aufständischer und Terroristen handelt, wie die Regierung in Myanmar behauptet, legen aktuelle Satellitenbilder der Region nahe. Auf ihnen ist zu sehen, wie ganze Rohingya-Dörfer niedergebrannt und fliehende Zivilisten erschossen werden. Das Vorgehen gegen die muslimische Minderheit lasse sich am besten als "ethnische Säuberung" bezeichnen, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres. "Wie sonst sollte man es nennen, wenn ein Drittel der Bevölkerung der Rohingya aus dem Land fliehen muss."

"Gewaltiger Bedarf"
Aus Sicht der Vereinten Nationen brauchen die Rohingya nun vor allem die konzertierte Hilfe der internationalen Gemeinschaft. "Wir rufen alle dazu auf, die humanitäre Unterstützung aufzustocken und Hilfe zu liefern", appellierte Mohamed Abdiker von der Internationalen Organisation für Migration am Donnerstag. "Der Bedarf ist gewaltig."

Angesichts des steigenden Drucks scheint nun auch Myanmar selbst in gewissen Bereichen zu einem Einlenken bereit. Nach Angaben des Mehrheitsführers im US-Senat, Mitch McConnell, hat sich auch De-facto-Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die zuletzt für ihr Schweigen international stark kritisiert wurde, dafür ausgesprochen, umgehend humanitäre Hilfe in die Rohingya-Regionen zu liefern.




Schlagwörter

Royhingya, Mynamar, UNO, Bangladesch

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Dokument erstellt am 2017-09-14 18:04:05




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