• vom 15.09.2017, 07:01 Uhr

Weltpolitik

Update: 15.09.2017, 13:22 Uhr

Konflikt

Nordkorea setzt eins drauf




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Von WZ Online, APA, AFP

  • Pjöngjang feuert erneut eine Rakete über Japan hinweg, NATO-Generalsekretär fordert "weltweite Antwort".

 Das Geschoß flog 3.700 Kilometer über die nördliche japanische Insel Hokkaido hinweg und stürzte in den Pazifik.

 Das Geschoß flog 3.700 Kilometer über die nördliche japanische Insel Hokkaido hinweg und stürzte in den Pazifik.
© APAweb/AFP, Toru YAMANAKA
 Das Geschoß flog 3.700 Kilometer über die nördliche japanische Insel Hokkaido hinweg und stürzte in den Pazifik.
© APAweb/AFP, Toru YAMANAKA

Pjöngjang/Tokio. Trotz Verschärfung der UNO-Sanktionen wegen seines jüngsten Atomwaffentests hat Nordkorea erneut eine Rakete über Japan hinweg gefeuert. Die Rakete sei nach dem Start nahe Pjöngjang 3.700 Kilometer weit geflogen, teilte der südkoreanische Generalstab mit. 2.200 Kilometer östlich der Insel Hokkaido sei sie dann in den Pazifik gestürzt. Nach Angaben Südkoreas hatte der Flugkörper zuvor eine Höhe
von 770 Kilometern erreicht. Nach ersten Angaben des US-Militärs handelte es sich erneut um eine Mittelstreckenrakete.

Eine solche hatte Nordkorea bereits Ende des vergangenen Monats über Japan hinweg geschossen. Der UNO-Sicherheitsrat wollte sich nach eigenen Angaben der Vereinten Nationen noch am Freitag in einer Dringlichkeitssitzung mit dem neuen Raketentest beschäftigen. Die Sitzung sei auf Wunsch der USA und Japan anberaumt worden, sagten Diplomaten. Das Treffen soll um 21.00 Uhr MESZ stattfinden.

Raketenübung von Südkorea

Die USA, Japan und Südkorea zeigten sich empört nach dem neuen Raketentest und warfen der Führung in Pjöngjang eine erneute Provokation und Bedrohung der Nachbarländer vor. Südkoreas Streitkräfte reagierten mit einer eigenen Raketenübung, bei der eine ballistische Rakete ins Japanische Meer geschossen wurde.

"Das ist das zweite Mal binnen weniger Wochen, dass mit Japan ein Vertragspartner der USA direkt bedroht wurde", hieß es in einer Mitteilung von US-Außenminister Rex Tillerson. "Diese fortgesetzten Provokationen führen dazu, dass Nordkoreas diplomatische und wirtschaftliche Isolation nur noch vertieft wird." Er forderte, neue Strafmaßnahmen gegen das Land zu verhängen.

"China liefert Nordkorea den größten Teil ihres Öls", schrieb Tillerson. "Russland ist der größte Arbeitgeber für nordkoreanische Zwangsarbeiter." Tillerson forderte China und Russland auf, die Raketentests Nordkoreas zu verurteilen und ihrerseits Maßnahmen zu ergreifen.

Stoltenberg fordert "weltweite Antwort"

Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat eine internationale Reaktion gefordert. "Nordkoreas Raketenabschuss ist ein weiterer rücksichtsloser Verstoß gegen UNO-Resolutionen und eine massive Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit, was eine weltweite Antwort erfordert", schrieb Stoltenberg am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe schlägt in die gleiche Kerbe. Er verurteilt den Raketentest als "ungeheuerliche" Handlung, die nicht toleriert werden könne. "Die internationale Gemeinschaft muss zusammenkommen und eine klare Botschaft an Nordkorea senden, das den Weltfrieden mit seinen Aktionen bedroht", forderte er.

Das US-Militär teilte mit, dass es sich bei dem neuen Geschoß ersten Einschätzungen zufolge um eine ballistische Mittelstreckenrakete (IRBM) gehandelt habe. Dieses habe keine Gefahr für die USA oder die amerikanischen Stützpunkte auf der Pazifikinsel Guam bedeutet. Nordkorea hatte vor kurzem mit einem Angriff auf das US-Territorium gedroht.

"Rücksichtslose Provokation" 

Südkorea warf dem Nachbarland eine "rücksichtslose Provokation" vor. Der Test sei eine "klare Verletzung von Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats und stellt eine ernste Bedrohung für den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und die Weltgemeinschaft dar", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Südkoreas Präsident Moon Jae-in berief den Nationalen Sicherheitsrat ein, um über die Lage zu beraten.

Erst am Montag hatte der UNO-Sicherheitsrat den sechsten und bisher größten Atomtest Nordkoreas am 3. September mit neuen Sanktionen bestraft. Die neue Resolution sieht erstmals eine Deckelung von Öllieferungen in das Land und den Verbot der Textilexporte vor. Dadurch soll der Druck auf Pjöngjang in dem andauernden Konflikt erhöht werden. Die Regierung in Nordkorea erklärte, den Sanktionsbeschluss kategorisch abzulehnen und von ihrem Atom- und Raketenprogramm nicht abrücken zu wollen.

USA konnte harte Resolution nicht durchsetzen

Nordkorea hatte nach eigenen Angaben bei dem Atomtest in diesem Monat eine Wasserstoffbombe gezündet, mit der Interkontinentalraketen bestückt werden sollen. Mit einer härteren Resolution, die ein Ölembargo und Finanzsanktionen gegen Machthaber Kim Jong-un vorgesehen hatte, konnten sich die USA in Verhandlungen mit China und Russland nicht durchsetzen.

UNO-Resolutionen verbieten Nordkorea sowohl Atomwaffenversuche als auch Tests von ballistischen Raketen. Dabei handelt es sich in der Regel um Boden-Boden-Raketen, die einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf befördern können.

In den vergangenen Wochen hat Nordkorea trotz Sanktionen immer wieder Raketen abgefeuert. Das Land arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung von Interkontinental-Raketen, die auch die USA erreichen könnten. Am Donnerstag hatte Nordkorea der Regierung in Tokio mit dem Einsatz von Atombomben gedroht als Reaktion auf neue UNO-Strafmaßnahmen gegen das weitgehend isolierte Land.





Schlagwörter

Konflikt, USA, Nordkorea, Japan

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-15 07:03:20
Letzte nderung am 2017-09-15 13:22:32




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