• vom 15.09.2017, 17:25 Uhr

Weltpolitik

Update: 19.09.2017, 15:57 Uhr

Nordkorea

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Von WZ-Korrespondentin Sonja Blaschke

  • Japans Premier will die pazifistische Verfassung über Bord werfen und rechtfertigt dies mit Nordkoreas Raketenprogramm.



Tokyo/Toyama. Eiichi Takeoka wohnt in Toyama, einer 400.000- Einwohner-Stadt am Japanischen Meer - geographisch gegenüber von Nordkorea. Abstecher nach Tokio oder Osaka meidet der 91-Jährige dieser Tage. Der ehemalige Soldat, der im Zweiten Weltkrieg kämpfte, ist überzeugt, dass Nippons Millionenmetropolen im Visier von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und seinen Raketen sind. Vor allem der sechste Atomtest Anfang September - angeblich einer Wasserstoffbombe - lässt dem Senior keine Ruhe: "Im Angriffsfall ist der beste Platz zur Flucht ein Tunnel", sagt der immer noch arbeitende Ingenieur, dessen Firma Schienenfahrzeuge für die Instandhaltung von Tunneln fertigt. "Ein Tunnel hält die Strahlung gut ab."

Die bisher stärkste nukleare Explosion hatte ein Erdbeben der Magnitude 6,3 verursacht. Die Sprengkraft war zehnmal so groß wie die der Hiroshima-Bombe 1945 - wenn auch nur ein Bruchteil der stärksten je getesteten Bomben.


19 Raketentests hat Nordkorea allein dieses Jahr durchgeführt - den jüngsten am Freitagmorgen Ortszeit. Es ist das vierte Mal nach 1998, 2009 und zuletzt am 29. August, dass das Regime die Rakete über japanisches Territorium in den Pazifik steuerte. Der nahe der Hauptstadt Pjöngjang abgeschossene Flugkörper, wahrscheinlich eine verbesserte Version der Mittelstreckenrakete vom Typ Hwasong, hatte eine Distanz von 3700 Kilometern und eine Höhe von 770 Kilometern erreicht. Er flog damit höher und weiter als beim vergangenen Test vor zwei Wochen.

Die japanische Regierung verurteilte den Test mit scharfen Worten. Sein Land werde "niemals eine so gefährliche, provokative Aktion tolerieren", sagte Premierminister Shinzo Abe. Südkorea reagierte, indem es seinerseits zwei Raketen in einem simulierten Angriff auf den Norden ins Meer jagte. Von einer "großen Gefahr für den internationalen Frieden und die Sicherheit, der eine globale Antwort verlangt", sprach Nato-Chef Jens Stoltenberg. US-Außenminister Rex Tillerson mahnte Kim Jong-uns Verbündete China und Russland, direkte Aktionen gegen das Land zu setzen.

Der neuerliche Raketentest Nordkoreas kommt kurz nach einer Verschärfung der UN-Sanktionen wegen des Atomtests, der gegen internationale Resolutionen verstieß. Demnach sollen die Öllieferungen nach Nordkorea halbiert und die Exporte von Textilien aus Nordkorea verboten werden. Für Freitag war in New York eine neuerliche Sicherheitsratssitzung angesetzt. Eine weitere Verschärfung der Sanktionen galt aber als unwahrscheinlich. Das Regime in Pjöngjang ließ sich von seinen nuklearen Ambitionen schon bisher nicht abhalten. Die Japaner sind beunruhigt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-15 17:30:06
Letzte nderung am 2017-09-19 15:57:16




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