• vom 20.09.2017, 21:18 Uhr

Weltpolitik

Update: 20.09.2017, 22:24 Uhr

UNO

"Absurde Rede" - Rohani kontert Trump




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Arian Faal

  • Die Mehrheit der UN-Staaten ist entsetzt über den geplanten US-Ausstieg aus dem Atom-Deal mit dem Iran.

"Die USA haben nur Krieg, Elend und Armut gebracht": Irans Präsident Rohani vor der UNO. - © reuters/Munoz

"Die USA haben nur Krieg, Elend und Armut gebracht": Irans Präsident Rohani vor der UNO. © reuters/Munoz

Wien. 13 Jahre lang hat der Westen mit dem Iran wegen dessen Nuklearprogramms verhandelt und am 14. Juli 2015 ein Abkommen erzielt. Dieses steht nun bei der UN-Hauptversammlung in New York auf dem Prüfstand. Washington will entweder mit Europas Hilfe neu verhandeln oder aussteigen. Viel Interpretationsspielraum gibt es laut USA nicht. US-Außenminister Rex Tillerson meinte, dass der Vertrag "nicht streng genug" sei und nicht ausreiche, um das Atomprogramm des Iran zu bremsen, und schlug damit in dieselbe Kerbe wie sein Chef. Dieser hatte den Deal als "Schande" und "schlechtestes Abkommen aller Zeiten" bezeichnet und will möglicherweise schon im Oktober aus dem Vertrag zwischen den fünf UN-Vetomächten (China, Großbritannien, Frankreich, Russland und USA) plus Deutschland und dem Iran aussteigen.

Die USA können aus dem JCPOA-Vertrag (Joint Comprehensive Plan of Action) unter gewissen Bedingungen aussteigen (siehe Kasten). Die harschen US-Worte lösten in New York ein kollektives Stirnrunzeln aus. Sowohl die Europäer als auch die Russen und Chinesen und natürlich der Iran selbst reagierten äußerst verschnupft, nur Israel lobte den Vorstoß.


Trumps Rede für Vereinte Nationen "ungeeignet"
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron warnte Trump erneut, dass die Aufkündigung des Iran-Abkommens ein "schwerer Fehler" sei. Auch Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel beharrt auf dem Deal.

Sogar der enge US-Verbündete Großbritannien will keineswegs am Deal rütteln und brüskiert damit Washington. Russlands Außenminister Sergej Lawrow distanzierte sich ebenfalls klar von Trump. "Wenn wir einfach nur verurteilen und drohen, dann machen wir uns wahrscheinlich jene zum Feind, auf die wir Einfluss ausüben wollen", sagte Lawrow. Die Chinesen pochen ebenfalls auf die Einhaltung der Vereinbarung und halten einen etwaigen US-Ausstieg für einen "Fehler". Irans Chefdiplomat Zarif bezeichnete Trumps Worte sogar als "ignorante Hass-Rede". Sie gehöre "ins Mittelalter, nicht in die UNO des 21. Jahrhunderts" und sei einer Antwort "nicht würdig", erklärte er via Twitter. Irans Staatschef Rohani warnte Trump, dass er mit einem Ausstieg aus dem Atomabkommen das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft verspielen würde. In seiner Ansprache vor den UNO am Mittwoch versicherte er, dass sich sein Land an das Abkommen halte. Die Kritik Trumps von Vortag konterte der Iraner: Trumps Rhetorik sei "ignorant, absurd und abscheulich" und sei als Rede vor den Vereinten Nationen "ungeeignet". Die USA hätten Milliarden für Frieden und Stabilität im Nahen Osten ausgegeben. Gebracht habe das in der Region aber nur "Krieg, Elend, Armut und den Aufstieg von Terrorismus und Extremismus".

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-20 21:24:06
Letzte ─nderung am 2017-09-20 22:24:05




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Waldbrände in Kalifornien wüten weiter
  2. Auf den Hund gekommen
  3. Starre Fronten zwischen Iran und USA
  4. Der gestrauchelte Überlebenskünstler
  5. Dunkle Wolken über Erdogan
  6. Starköchin mit Skibrille - Erster Stern für Bangkoks Street Food
  7. Trumps Steuerreform vor dem Finish


Werbung


Werbung