• vom 21.09.2017, 17:56 Uhr

Weltpolitik

Update: 21.09.2017, 22:01 Uhr

Mexiko

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  • Nach dem Beben bewegt das Schicksal einer 12-jährigen Schülerin das ganze Land.

Viele der Helfer in Mexiko sind seit Stunden im Einsatz. Doch solange es Hoffnung auf Überlebende gibt, will keiner aufgeben. - © reuters/C. Jasso

Viele der Helfer in Mexiko sind seit Stunden im Einsatz. Doch solange es Hoffnung auf Überlebende gibt, will keiner aufgeben. © reuters/C. Jasso

Mexiko-Stadt. Viele der Helfer hatten bereits eineinhalb Tage durchgearbeitet. Doch auch wenn der Gedanke an ein paar Stunden Pause noch so verlockend war, wollte keiner, der hier in den Trümmern der Enrique-Rebsamen-Schule steht, weg von hier. Denn seitdem ein Wärmedetektor gleich an mehreren Stellen angeschlagen hatte, gingen die Retter am Donnerstag zunächst davon aus, dass sich unter dem Schutt noch immer einige Kinder befanden, die das schwere Beben, das Mexiko am Mittwoch erschüttert hat, überlebt haben. Der Fall der 12-jährigen verschütteten Schülerin Frida Sofia, die Rettungskräfte zwar geortet haben, aber zu ihr nicht durchgekommen sein sollen, hielten das ganze Land in Atem.

Doch am gestrigen Abend hieß es seitens der an der Suche beteiligten Marine dann, es gebe unter den Trümmern kein eingeschlossenes Mädchen. Möglicherweise aber noch einen lebenden Erwachsenen. Es sei eine Zählung aller Toten, Überlebenden und in Krankenhäuser eingelieferten Personen mit der Schulleitung gemacht worden und demnach könne man mit Sicherheit sagen, dass dort keine Kinder mehr eingeschlossen seien, so der Marinesprecher.

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Die Suche an der Schule, wo bisher nach neuesten Angaben 19 tote Kinder und sechs tote Erwachsene sowie elf überlebende Personen geborgen wurden, war zum Symbol des Kampfes um Überlebende geworden.

Gewaltige Hilfsbereitschaft
Großen Anteil nehmen die Mexikaner aber nicht nur am Schicksal der dortigen Bebenopfer. Allein in der Hauptstadt beteiligen sich zehntausende Freiwillige an der Suche nach möglichen weiteren Überlebenden. Überall bilden sich Menschenketten, um die Schuttteile weiterzureichen, und immer wieder wird - wie schon auch am Vortag - mit erhobenen Händen um Stille gebeten, um mögliche Klopfgeräusche zu hören. Wie groß die Hilfsbereitschaft der Mexikaner nach dem Beben der Stärke 7,1 ist, zeigt sich aber nicht nur beim Wegräumen der Trümmer. Auch obdachlos gewordene Menschen werden von Freiwilligen ohne langes Fragen mit Wasser und Essen versorgt. Ebenso werden Medizin und Decken in die zahlreichen Notunterkünfte gebracht. "Ich habe sogar Leute gesehen, die ihre Autos geopfert haben, um mit ihnen einsturzgefährdete Häuser abzustützen", berichtet Sergio Medrano, der für die Hilfsorganisation World Vision arbeitet. "Die Kraft, die Entschlossenheit und die Solidarität der Mexikaner gegenüber diesem Desaster werden uns gestärkt daraus hervorgehen lassen", lobt auch Präsident Enrique Pena Nieto das gemeinsame Anpacken seiner Landsleute.

Überwältigt zeigt sich Mexikos Staatschef aber auch von der Anteilnahme aus dem Ausland. Aus allen Teilen der Welt habe Mexiko tausende Nachrichten erhalten, sagt Pena Nieto. Zahlreiche Länder wie die USA, Spanien, Japan und Israel hätte zudem Hilfsteams nach Mexiko geschickt oder wollten dies noch tun.

Kritik an Baustandards
Knapp zwei Tage nach dem Beben, das laut den jüngsten offiziellen Zahlen zumindest 250 Menschen das Leben gekostet hat, wird allerdings auch Kritik laut. Denn laut den Aussagen einiger Anwohner sollen die Rettungskräfte in den ärmeren Vierteln im Süden von Mexiko-City erst viel später eingetroffen sein, als in den reicheren Wohngegenden des Nordens.

Fragen wirft zudem auf, warum viele der zerstörten Gebäude relativ junge Hochhäuser waren. Denn nach dem verheerenden Beben des Jahres 1985, bei dem knapp 10.000 Menschen ums Leben kamen, waren eigentlich grundlegend überarbeitete Baustandards erlassen worden, die sicherstellen sollten, dass neu errichtete Bauwerke Erdstößen viel besser standhalten.




Schlagwörter

Mexiko, Erdbeben, Schule

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-21 18:00:23
Letzte ─nderung am 2017-09-21 22:01:11




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