• vom 28.09.2017, 20:03 Uhr

Weltpolitik

Update: 29.09.2017, 06:59 Uhr

Irak

Bagdads Kummer mit den Kurden




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • Folgt auf den kurdischen Jubel die Katerstimmung? Die Anerkennung des Referendums erscheint ungewiss.

Stolz halten Kurden ihre Fahne zur Feier des Ausgangs des Referendums in den Wind. Delil Souleiman/afp

Stolz halten Kurden ihre Fahne zur Feier des Ausgangs des Referendums in den Wind. Delil Souleiman/afp

Kirkuk. Ein Traumresultat: 92,73 Prozent haben mit Ja gestimmt für einen eigenen kurdischen Staat. Kurdenführer Masud Barzani hat eine überwältigende Zustimmung bekommen, Irak-Kurdistan in die Unabhängigkeit zu führen. Doch der frenetische Jubel und die Feiern auf den Straßen Erbils, Dohuks und Suleimanijas könnten schnell in Katerstimmung umschwenken. Denn die Anerkennung des Referendums ist äußerst fragwürdig. Die irakische Regierung in Bagdad lehnt es schlichtweg ab, und auch für viele andere ist es schwierig, das Resultat ernst zu nehmen. Von Wahlfälschungen und Manipulationen ist die Rede. Beobachter haben festgestellt, dass eigentlich jeder wählen konnte, der sich in irgendeiner Form auswies. Manchmal wurden gleich mehrere Wahlzettel an eine Person ausgehändigt mit der Begründung, Vater und Mutter könnten nicht ins Wahllokal kommen. Im Vorfeld des Referendums gab es massive Beeinflussungen zugunsten einer Ja-Stimme. Kritische Webseiten im Internet wurden gesperrt, ein Fernsehsender, der sich gegen das Referendum positionierte geblockt. Facebook-Kampagnen forderten alle Gegner, die in Kurdistan leben dazu auf, die Region zu verlassen. So dominierte schon am Abend der Bekanntgabe der Resultate zumindest in Kirkuk eher Ironie statt Überzeugung.

Man fühlte sich in die alten Tage der Saddam-Zeiten zurückversetzt, als der Diktator das Volk abstimmen ließ und Zustimmungen stets über 90 Prozent erzielte. Ein Witz aus jener Zeit macht derzeit die Runde. Auf die Frage, warum das Wahlresultat nur 99,99 Prozent Ja-Stimmen beinhaltet, lautete die Antwort: "Saddam konnte doch nicht sich selbst wählen."

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Die Türkei droht den Kurden
Dessen ungeachtet stellte sich Barzani freudestrahlend vor die Presse, pries das Referendum und forderte Bagdad zum Dialog über einen unabhängigen kurdischen Staat auf. Man gewann den Eindruck, der Kurde wisse nicht, was hier gespielt wird. Denn dass Premierminister Haidar al-Abadi dies brüsk zurückwies, hätte sich Barzani denken können. In seiner Ablehnung gegen die Unabhängigkeit Kurdistans und die Loslösung vom Restirak weiß Abadi nahezu die gesamte Staatengemeinschaft hinter sich. USA, Europa, Russland und vor allem die Nachbarstaaten Türkei und Iran sind vehement dagegen. Sogar Uno-Generalsekretär Antonio Guterres hält den Zeitpunkt jetzt für falsch. Denn die internationale Staatengemeinschaft fürchtet eine weitere Destabilisierung der ohnehin höchst fragilen Region.

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Dokument erstellt am 2017-09-28 18:09:06
Letzte ─nderung am 2017-09-29 06:59:45




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