• vom 03.10.2017, 19:07 Uhr

Weltpolitik

Update: 11.10.2017, 14:06 Uhr

Palästina

Staffelübergabe in Gaza




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Zu verdanken ist diese Versöhnung der beiden größten Palästinenserorganisationen unter anderem den Ägyptern, die in der Region als Mediator fungieren. Neben dem politischen Chaos und der internationalen und regionalen Isolation schlitterte der Gazastreifen in den zehn Jahren unter der Hamas an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds.

So musste die radikalislamische Organisation letztendlich nolens volens nachgeben und auf den von Kairo vorgeschlagenen "Kuhhandel" eingehen: Die Ägypter stellten mehr Hilfe und ein Ende der Blockade der Grenze des Gazastreifens in Aussicht, wenn die Hamas sich der Autorität Ramallahs und Präsident Mahmud Abbas’ unterordnet. Außerdem müsste die Hamas weg von ihrer Ideologie der Muslimbruderschaft gehen und eine Sicherheitskooperation gegen Dschihadisten mit Kairo eingehen.

Zwar gibt die Hamas nun an die Fatah die Macht de facto ab, ganz zurückziehen will sie sich aber nicht. Was bleibt, ist eine Menge Arbeit für Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Der 82-Jährige ist herzkrank und muss neue Wahlen vorbereiten, die letztlich auch seine Nachfolge regeln sollen. Außerdem wird es in Gaza viele Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis die Infrastruktur wieder halbwegs funktioniert und die Arbeitslosigkeit sinkt.

Wissen

(af) Die nach der Fatah zweitgrößte Palästinenserorganisation Hamas ("Bewegung des islamischen Widerstandes), die radikalislamisch ausgerichtet ist, wurde 1987 als Ableger der Muslimbrüderschaft von Scheich Ahmed Yasin (der später von Israel getötet wurde) gegründet.

Zu den Grundstatuten der Gruppe gehört die Ablehnung des Existenzrechts Israels und die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinenserstaates vom Mittelmeer bis zum Jordan. Zunächst trat die Organisation als Wohlfahrtsorganisation in Erscheinung und schuf ein vielschichtiges soziales Netz mit Kindergärten, Schulen, Suppenküchen und Arbeitsvermittlungen. Das brachte der Bewegung, die außerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) von Yasser Arafat blieb, hohes Ansehen innerhalb der verarmten palästinensischen Bevölkerung. Doch sehr bald zeigte die Hamas ihr wahres Gesicht und offenbarte in ihrer Charta von 1988, dass der "Heilige Krieg" die einzige Lösung zur Schaffung von Palästina sei.

Seitdem sie 2007 die alleinige Kontrolle über den Gazastreifen übernommen hat, aus dem sie die konkurrierende Fatah vertrieb, bereitete sich die Hamas intensiv auf die direkte Konfrontation mit Israel vor. Tödliche Terroranschläge auf Israelis waren Usus, zudem feuerte die Hamas tausende Raketen und Mörsergranaten auf Israel ab. Bei der dreiwöchigen israelischen Offensive zwischen Dezember 2008 und Jänner 2009 mit der Bezeichnung "Gegossenes Blei" waren mehr als 1400 Palästinenser getötet und über 5000 weitere verletzt worden.

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Schlagwörter

Palästina, Gaza, Hamas, Fatah

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Dokument erstellt am 2017-10-03 19:12:08
Letzte nderung am 2017-10-11 14:06:06




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