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Weltpolitik

Update: 16.10.2017, 15:45 Uhr

Türkei

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Von WZ-Korrespondent Frank Nordhausen

  • Zwischen den einst engen Nato-Verbündeten Türkei und USA herrscht zunehmend ein rauer Ton.

Erdogan verlangt von den USA die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen. Dafür bietet er die Freilassung eines US-Pastors an.

Erdogan verlangt von den USA die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen. Dafür bietet er die Freilassung eines US-Pastors an.© ap Erdogan verlangt von den USA die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen. Dafür bietet er die Freilassung eines US-Pastors an.© ap

Ankara. Wir sind nicht von euch abhängig!", rief der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in Richtung Washington, hinein in die historisch schwerste Krise zwischen der Türkei und den USA nach der gegenseitigen Sperre von Reisevisa vier Tage zuvor. Regierungsnahe türkische Zeitungen titelten, dass die USA "nicht mehr Verbündeter, sondern Feind" seien. Während moderate Kräfte in Washington zur Entspannung rieten und eine Delegation aus Washington nächste Woche zu Deeskalationsgesprächen in Ankara erwartet wird, verschärfen die Mächtigen in Ankara den Konflikt mit ihrem wichtigsten westlichen Verbündeten und Nato-Partner täglich weiter. Politische Beobachter rätseln, was hinter dem türkischen Eskalationskurs steckt: eine Strategie, politisches Chaos oder schlicht außenpolitische Dummheit?

Die Visa-Krise entzündete sich an der Festnahme von Metin Topuz, eines türkischen Mitarbeiters des amerikanischen Generalkonsulats in Istanbul vorige Woche. Topuz wird beschuldigt, der Sekte des Islampredigers Fethullah Gülen anzugehören, die Erdogan für den gescheiterten Militärputsch vom Juli 2016 verantwortlich macht. Laut türkischen Medien werden ihm Spionage und Verschwörung vorgeworfen, Erdogan nannte ihn einen "amerikanischen Spion". Doch die US-Botschaft nannte die Vorwürfe "absolut gegenstandslos".


Topuz war offenbar der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Seit mehr als einem Jahr sitzt der evangelikale Pastor Andrew Brunson ebenfalls wegen Gülen-Kontakten und angeblicher Spionage in Untersuchungshaft. Bereits im März war ein türkischer Mitarbeiter des US-Konsulats in Adana unter Terrorvorwürfen verhaftet worden. Dazu soll es noch weitere Fälle inhaftierter US-Bürger geben, die bisher nicht publik wurden.

Obwohl sie von der massiven Reaktion der US-Regierung überrascht wurde, lenkte die islamisch-konservative AKP-Regierung nicht ein, sondern goss weiter Öl ins Feuer. Zunächst stoppte sie ihrerseits die Ausstellung von Türkei-Visa für US-Bürger. Am Dienstag erließ dann ein Gericht in Istanbul Haftbefehl gegen einen weiteren US-Konsulatsmitarbeiter wegen Gülen-Verdachts. Danach verurteilte ein Gericht die Türkei-Reporterin des "Wall Street Journals", Ayla Albayrak, wegen einer (journalistisch korrekten) Reportage über den Kurdenkonflikt zu zwei Jahren Haft wegen "Terrorunterstützung" verurteilt. Er sei wegen der "falschen Vorwürfe" "zutiefst beunruhigt", schrieb der US-Senator John McCain auf Twitter.

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Schlagwörter

Türkei, USA, Spannungen, Visa

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-13 18:12:06
Letzte ─nderung am 2017-10-16 15:45:05




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