• vom 09.11.2017, 18:01 Uhr

Weltpolitik

Update: 09.11.2017, 18:33 Uhr

Supermächte

"USA überlassen China das Feld"




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In welchen Ländern zeigt sich das bereits?

Etwa in Thailand. Dort ist noch immer eine Militärjunta an der Macht, und es kommt kein Druck aus den USA. Unter Barack Obama hat es noch starke Kritik an dem Militärputsch gegeben, daraufhin hat sich Thailand China angenähert. Das heißt auch: Wenn der Westen Prinzipien, die für ihn zentral sind, durchzusetzen versucht, kann das geopolitisch negative Auswirkungen für ihn haben, nämlich dass China seine Position stärkt. Andererseits stellt sich die Frage, wie zynisch Politik sein darf. Demokratie und Menschenrechte sind dem Westen ein Anliegen, deswegen muss er sie auch gegen Widerstände durchzusetzen.

Verfolgt China nun eine bestimmte Strategie gegenüber den USA?

China hat den Vorteil, dass es - im Gegensatz zu den USA unter Trump - eine klare Strategie besitzt. Diese ist sehr langfristig ausgerichtet. Dabei will Peking seine Position in Ostasien stärken und damit wirtschafts- und sicherheitspolitisch auch den Einfluss der USA zurückdrängen.

Wie gefährlich ist dieses Aufeinanderprallen einer etablierten mit einer aufstrebenden Superacht? Historisch hat eine solche Konstellation zumeist zu einem Krieg geführt.

Wir beobachten einen Kampf um die Vormachtstellung in Ostasien. Das Potenzial für eine militärische Auseinandersetzung oder zumindest einen Kalten Krieg zwischen den USA und China ist gegeben. Einzelne Ereignisse könnten eskalieren, am ehesten könnte dabei im Südchinesischen Meer die Lage aus dem Ruder laufen. Beide Seiten haben aber kein Interesse, dass ein Krieg ausbricht - nicht nur zwischen ihnen, sondern etwa auch zwischen China und Indien oder in Südostasien. Sowohl China als auch die USA wollen nicht, dass der Terrorsismus zunimmt. Auch in anderen Sicherheitsbereichen, etwa der Eindämmung des Menschen- und Drogenschmuggels, können beide Staaten profitieren, wenn sie zusammenarbeiten. Sie teilen also viele Interessen - vor allem trifft das auf den wirtschaftlichen Bereich zu, in dem sie ganz eng verflochten sind.

Dabei drohen die USA doch mit einem Handelskrieg.

Trump hat aber bereits viele Drohungen zurückgenommen, die er noch als Kandidat ausgesprochen hat. Er ist hier sicher realistischer geworden. Wichtig ist auch, dass er Xi Jinping schon zwei Mal getroffen habt. Es scheint, dass es für Trump sehr wichtig ist, eine persönliche Beziehung zu anderen Staatschefs aufzubauen.

Könnte aber nicht die Nordkorea-Krise noch einen Keil zwischen die beiden Länder treiben?

Hier werden sie wahrscheinlich einen Kompromiss finden, der beide Seiten das Gesicht wahren lässt. China wird wohl versprechen, mehr Druck auf Nordkorea aufzubauen, und ich könnte mir vorstellen, dass Trump das die nächsten Monate auch so akzeptiert.

Zur Person

Alfred

Gerstl

ist Politologe und forscht und unterrichtet am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien. Zuvor hat er Internationale Beziehungen an der Macquarie University in Sydney unterrichtet. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Sicherheitspolitik in Ostasien, die zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-09 18:05:10
Letzte nderung am 2017-11-09 18:33:56




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