• vom 13.11.2017, 22:20 Uhr

Weltpolitik


USA

"Naiv, von Angst getrieben oder ignorant"




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  • Ex-CIA-Chefs reagieren auf Trumps Zickzackkurs nach dessen Putin-Treffen mit scharfer Kritik am US-Präsidenten.

Ein Schelm,wer bei Wladimir Putin an einen Manipulator denkt. - © Reuters/Silva

Ein Schelm,wer bei Wladimir Putin an einen Manipulator denkt. © Reuters/Silva

Washington/Hanoi. Donald Trump hat es wieder einmal geschafft, mit unreflektierten Äußerungen eine Debatte neu anzufachen, die er selbst am liebsten totschweigen würde: Es geht um die Manipulationsversuche Russlands während des US-Präsidentschaftswahlkampfs, die dem republikanischen Immobilientycoon mit engen Geschäftsverbindungen nach Moskau den Einzug ins Weiße Haus erleichtern sollte.

Trump hatte am Wochenende am Rande des Apec-Gipfels in Hanoi nach einem kurzen Treffen mit Wladimir Putin gemeint, er glaube dem Kremlführer aufs Wort, dass es keinerlei Einmischung seitens Moskaus gegeben habe. "Jedes Mal, wenn er mich sieht, sagt er: ,Ich habe das nicht gemacht‘ - und ich glaube ihm wirklich, wenn er das sagt, er meint das so", wurde Trump zitiert. Damit sorgte der US-Präsident in Washington, wo Sonderermittler Robert Mueller mit Hilfe der Geheimdienste und des FBI bereits Beweise für russische Manipulationsaktionen gesammelt hat, für einen Aufschrei. Denn Trump diskreditierte mit seinem demonstrativen Vertrauensbekenntnis gegenüber Putin einmal mehr die Arbeit der eigenen Nachrichtendienste und stellte deren Repräsentanten de facto als Lügner dar.


Von Putin manipuliert
Schließlich sah sich Trump gezwungen, zurückzurudern. "Ob ich es glaube oder nicht, ich stehe zu unseren Geheimdiensten, ich glaube an unsere Geheimdienste", versicherte er keine 24 Stunden später. Doch Kritiker des Präsidenten lassen sich durch dessen Zick-Zack-Kurs kaum beeindrucken und fahren mit schweren Kalibern auf.

Republikanische Schwergewichte wie Senator John McCain erklärten Trump wegen seines blinden Vertrauens gegenüber Putin für eine Bedrohung für die nationale Sicherheit.

John Brennan, langjähriger CIA-Chef unter Barack Obama, wurde noch deutlicher. "Trump ist in seinem Verhalten gegenüber den Russen entweder von Naivität, Ignoranz oder Angst getrieben", sagte er gegenüber dem US-Sender CNN.

Der Verdacht, dass Trump Putin fürchtet, weil der Kremlchef kompromittierende Informationen über ihn besitze - entweder wirtschaftlicher oder privater Art, kursieren schon länger. Anfang 2017 hatte ein britischer Ex-Spion mit guten Russland-Kontakten behauptet, Trump sei während eines Moskau-Aufenthalts bei Sex-Spielen mit Prostituierten gefilmt worden und werde seither erpresst. Bestätigt wurden die Enthüllungen allerdings bisher nicht.

Auch die Wortmeldung des von Obama eingesetzten ehemaligen Nationalen Geheimdienstdirektors James Clapper klang wenig schmeichelhaft. "Sowohl die Russen als auch die Chinesen können Trump um den Finger wickeln." Jeder, der dem Präsidenten den roten Teppich ausrolle, könne ihn manipulieren. Trumps Realitätsverweigerung sei "skrupellos", so der Ex-General, der mit Trumps Einzug ins Weiße Haus Anfang 2017 seinen Posten räumen musste. Von Clapper stammt auch der legendäre Satz, im Vergleich zur Russland-Affäre verblasse sogar der Watergate-Skandal.

Finanzminister Steve Mnuchin verteidigte Trump hingegen gegen Kritik. Der US-Präsident werde von niemandem manipuliert, betonte er beim gemeinsamen Auftritt in der CNN-Sendung mit Brennan und Clapper.




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Dokument erstellt am 2017-11-13 18:23:09
Letzte ─nderung am 2017-11-13 21:44:08




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