• vom 14.11.2017, 18:08 Uhr

Weltpolitik

Update: 14.11.2017, 18:56 Uhr

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Belästigungsvorwürfe bringen Republikaner in Bedrängnis




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  • Rechtskonservativer Senatskandidat Roy Moore soll Übergriffe getätigt haben - auch Vorwürfe gegen Ex-US-Präsidenten George Bush senior.

Erhebt schwere Vorwürfe gegen den republikanischen Politiker Roy Moore: die heute 56-jährige Beverly Young Nelson. - © ap/Richard Drew

Erhebt schwere Vorwürfe gegen den republikanischen Politiker Roy Moore: die heute 56-jährige Beverly Young Nelson. © ap/Richard Drew

Washington. (leg/apa) Angestoßen vom Skandal um den Filmproduzenten Harvey Weinstein, zieht das Thema sexuelle Belästigung in den USA weite Kreise - und holt mittlerweile auch prominente Politiker der konservativen Republikaner ein. So berichten mindestens fünf Frauen darüber, dass sie George Bush senior, US-Präsident von 1989 bis 1993, sexuell belästigt habe. Etwa Roslyn Corrigan. Ihr soll der heute 93-Jährige im Jahr 2003 ans Gesäß gefasst haben, als sie gemeinsam für ein Foto posierten. Sie sei "sehr, sehr verwirrt" gewesen, berichtete Corrigan, und sie habe nicht reagiert. Denn: "Was soll ein Teenager zum Ex-Präsidenten der USA sagen? So was wie: ‚Hey du, du solltest mich nicht so berühren‘?" Der Sprecher des Ex-Präsidenten erklärte, dass Bush jede anstößige Aktion bedauere.

Ein wesentlich größeres Problem für die Republikaner dürfte aber der Fall um einen aktuellen Kandidaten aus ihren Reihen darstellen: jener um Roy Moore. Der rechtskonservative christliche Politiker, der gegen Muslime und für uneingeschränkten Waffenbesitz eintritt und Homosexualität kritisch sieht, wird ebenfalls von fünf Frauen beschuldigt, sexuelle Übergriffe getätigt zu haben - zuletzt von der heute 56-jährigen Beverly Young Nelson. Sie erklärte unter Tränen, Moore habe sie, als sie 16 Jahre alt gewesen sei, sexuell belästigt. Sie habe damals in einem Restaurant in Alabama gearbeitet, als ihr Moore eines Abends angeboten habe, sie nach Hause zu fahren. Im Auto habe er sie dann angegriffen, unsittlich berührt, am Hals gepackt und versucht, ihr das Shirt auszuziehen. Sie habe gedacht, er wolle sie vergewaltigen, sagte Nelson. Er habe dann aber von ihr abgelassen.


Sieg mit Bannons Unterstützung
Moores Wahlkampfteam wies die Anschuldigungen zurück, bezeichnete diese als "Hexenjagd" und kündigte eine Klage an. Moore sei ein unschuldiger Mann und habe niemanden sexuell belästigt. Der 70-Jährige selbst sprach von einer "Scharade". Medien und politische Gegner würden ihn bei der anstehenden Wahl in Alabama am 12. Dezember um den Sieg bringen wollen.

Denn Moore kandidiert dort für einen Sitz im US-Senat, für jenen Sitz, der durch den Wechsel von Jeff Sessions an die Spitze des Justizministeriums frei geworden ist. Falls er im konservativen Alabama verliert, wäre das für die Republikaner bitter: Denn sie verfügen im Senat nur um einen Zwei-Stimmen-Vorsprung.

Dennoch gingen viele Republikaner nach Bekanntwerden der Vorwürfe zu Moore auf Distanz. Denn der konservative Politiker, der davon spricht, Gottes Gesetz über die Verfassung zu stellen, ist parteiintern umstritten: Bei den Vorwahlen hatte das Partei-Establishment, auch US-Präsident Donald Trump, den gemäßigteren Kandidaten Luther Strange unterstützt. Die Wahl gewann aber Moore - mit Unterstützung von Stephen Bannon, Trumps ehemaligem Chefstrategen und Leiter des rechten Nachrichtenportals Breitbart. Jetzt drängt Mitch McConnell, der Chef der Republikaner im Senat, Moore zum Rücktritt: "Ich glaube den Frauen."

Einen Monat vor der Wahl ist es freilich für die Republikaner zu spät, Moores Namen vom Wahlzettel zu streichen. In der Partei gibt es deswegen Überlegungen, eine "Write-in"-Kandidatur zu unterstützen - also den Namen eines anderen Bewerbers auf den Stimmzettel zu schreiben.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-14 18:11:05
Letzte nderung am 2017-11-14 18:56:04




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