• vom 18.11.2017, 13:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 21.11.2017, 16:35 Uhr

Venezuela

Die Kultur des Erdöls




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Regierungsanhänger bekommen Essenskörbe
Damit die ärmeren Schichten der Bevölkerung der linkspopulistischen Regierung in der Hungerkrise gewogen bleiben, werden seit eineinhalb Jahren monatliche Essensrationen verteilt.

"So an die fünf Millionen Menschen bekommen einmal im Monat einen Versorgungskorb. Die Verteilung, wer einen bekommt, läuft aber wiederum ganz stark über klientelistische Strukturen ab", erzählt Brand. Will heißen: Nur wer sich bei der chavistischen Partei als Wähler registriert hat oder im Ruf steht, der Partei gewogen zu sein, darf in der Praxis auf einen Korb hoffen. "Es ist ein Explizit-Machen: Gehörst du zu uns, oder gehörst du nicht zu uns", so Brand. Eine wichtige Rolle nimmt bei der Verteilung von Lebensmitteln - und beim Mitschneiden am Schwarzmarkt - das Militär ein. Denn die Lastwagen mit den Lebensmitteln werden teilweise an die Kasernen geliefert. Die dann entscheiden können, wie viel offiziell verteilt wird und wie viel man unter der Hand in Umlauf bringen kann.

Früher hatte die sozialistische Regierung noch Angst vor dem Militär, das ja auch 2002 versucht hatte, Chavez aus dem Amt zu putschen. Und Beobachter der gegenwärtigen venezolanischen Krise gingen lange davon aus, dass die Wende kommt, wenn die Stimmung beim Militär wieder kippt. "Das wird aber nicht passieren. Denn das Militär lebt inzwischen sehr gut vom jetzigen System", so Brand. Das Militär hat in vielen Ministerien oder Konzernen Vertrauenspersonen untergebracht, um sicherzustellen, dass es mitbedient wird. "Die reine Machtsicherungsstrategie von Maduro hat das Militär so stark gemacht, dass es machen kann, was es will", urteilt Brand. Anfang 2016 ist etwa mit Camimpeg eine Gesellschaft gegründet worden, die vom Militär betrieben wird, und dem staatlichen Ölkonzern PDVSA sowie den Bergbaukonzernen "Dienstleistungen wie Logistik und Sicherheit" anbietet. "Damit ist eine immense Quote des Ölgeldes und der Macht an das Militär abgetreten worden", sagt Brand. Damit kann die Gesellschaft, die dem Verteidigungsministerium angegliedert ist, bei allen Rohstoffgeschäften mitschneiden.

Die Korruption ist somit ein entscheidender Faktor für die drohende Staatspleite. Diese Woche hat etwa die Ratingagentur Standard & Poor’s den Daumen über Venezuela gesenkt, weil es Schulden nicht bedient hat. Allein bis zum Jahresende werden Rückzahlungen von 1,47 Milliarden Dollar fällig, 2018 stehen weitere acht Milliarden Dollar an. Doch Venezuelas Verbündete Moskau und Peking haben schon angekündigt, ihrerseits jedenfalls die Schulden umstrukturieren zu lassen. In der Zwischenzeit vertraue man auf "normale Geschäfte" mit dem südamerikanischen Land.

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Dokument erstellt am 2017-11-17 18:14:11
Letzte nderung am 2017-11-21 16:35:08



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