• vom 09.12.2017, 10:06 Uhr

Weltpolitik

Update: 09.12.2017, 10:06 Uhr

Südkorea

Auf den Hund gekommen




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Von WZ-Korrespondent Fabian Kretschmer

  • In Südkorea ist Hundefleisch die Lieblingsmahlzeit vieler Senioren. Nun soll damit jedoch Schluss sein.

Die meisten Hunde auf der Farm von Kim Yeong-hwan haben noch nie ihre engen Metallkäfige verlassen. - © Fabian Kretschmer

Die meisten Hunde auf der Farm von Kim Yeong-hwan haben noch nie ihre engen Metallkäfige verlassen. © Fabian Kretschmer

Kitty Block unterstützt Betreiber von Hundefarmen bei der Schließung mit jeweils mehreren tausend Euro Entschädigung.

Kitty Block unterstützt Betreiber von Hundefarmen bei der Schließung mit jeweils mehreren tausend Euro Entschädigung. Kitty Block unterstützt Betreiber von Hundefarmen bei der Schließung mit jeweils mehreren tausend Euro Entschädigung.

Seoul. Die Einfahrt zu Kim Yeong-hwans Zuchtbetrieb eine Autostunde östlich von Seoul ist ein schlammiger Pfad, der sich im Slalomkurs zwischen wild wucherndem Unkraut an einen Berghang schmiegt. Schon von weitem hört und riecht der Besucher, womit Herr Kim seinen Lebensunterhalt bestreitet: Das Bellen ist ohrenbetäubend, der Gestank beißend. Unter Plastikplanen stehen dutzende Gitterkäfige aneinandergereiht. Insgesamt 170 Hunde leben in dem Zuchtbetrieb, die meisten von ihnen haben ihre Behausung noch nie verlassen.

Kim, ein 56 Jahre alter Mann mit Camouflage-Jacke und blauen Gummistiefeln, wärmt seine Hände an einem selbstgebauten Heizpilz. Sobald er anfängt, seine Geschichte zu erzählen, wird klar, dass er es nicht einfach hatte in seinem Leben. Doch wie viele Koreaner seiner Generation hat Herr Kim eine robuste Steh-auf-Mentalität entwickelt, um den Widrigkeiten des Alltags zu trotzen. "In meiner Jugend habe ich mal dies und mal das probiert, aber letztlich bin ich mit meinen Geschäftsideen immer pleite gegangen", sagt er. So sei er schließlich vor 20 Jahren zur Hundezucht gekommen: Damals sei dies ein verlässliches Geschäft gewesen, ein solider Plan B, um seine zwei mittlerweile erwachsenen Kinder durchzubringen. "Es gibt viele Hundezüchter in der Gegend hier. Die meisten haben den Betrieb von ihren Vätern übernommen - oder sie hatten keine andere Wahl, so wie ich", sagt Kim. Stolz sei er nicht auf seinen Beruf, doch warum sollte er sich schämen?


Gesund dank Hund
Südkorea ist das de facto einzige Land der Welt, das eine kommerzielle Hundefleischindustrie hervorgebracht hat. Laut Schätzungen von Tierschützern gibt es bis zu 17.000 Betriebe - viele von ihnen nur kleine Hinterhöfe mit kaum mehr als einem Dutzend Tieren. Jedes Jahr werden so bis zu 200.000 Hunde verspeist. Rund die Hälfte der Bevölkerung hat zumindest einmal im Leben davon gekostet. Hundefleisch wird vor allem von älteren Koreanern eine medizinische Wirkung nachgesagt: Bei Männern soll es aphrodisierend wirken und die Bauern auf dem Feld gegen die häufig erdrückende Sommerhitze wappnen.

Auch der 87-jährige Park Myeong-ja schwört auf die genesende Wirkung von Hundefleisch. "Als ich im Koreakrieg bei den Truppen der Vereinten Nationen gedient habe, wurde uns ausschließlich westliches Essen serviert", erinnert er sich: "Meinem Magen bekam das mit der Zeit gar nicht gut, die Schleimhäute in meinem Darm haben sich stark entzündet." Damals habe ihm ein Arzt empfohlen, seine Beschwerde mit Hundefleisch zu kurieren - was auch funktioniert habe: "Heute bin ich fast 90 Jahre alt - und noch immer wohlauf."

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Dokument erstellt am 2017-12-08 15:59:08
Letzte ─nderung am 2017-12-09 10:06:41




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