• vom 29.12.2017, 18:12 Uhr

Weltpolitik

Update: 30.12.2017, 16:11 Uhr

Islamischer Staat

Nach dem Sieg ist vor dem Krieg




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Von Petra Ramsauer

  • Der IS ist nicht geschlagen, sondern hat sich neu formiert. In Syrien und dem Irak könnte sich die Terror-Geschichte wiederholen.







Bagdad/Damaskus. Eine weiße Flagge, ein Löwenkopf als Wappenzeichen: Truppen mit diesen Insignien verüben seit Wochen Angriffe im Zentral-Irak. Noch ist ihre militärische Kapazität gering, doch ihr Potenzial immens. Denn diese Angriffe werden als Indiz gewertet, dass sich im Irak derzeit eine neue Dschihadisten-Miliz formiert, die anscheinend blitzschnell das Erbe der Terrormiliz "Islamischer Staat" antritt.

"Wir können das bestätigen", sagt General Hajar Ismail im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Uns liegen Informationen vor, dass sich extremistische Splittergruppen, die sich nach 2014 der Terrormiliz ‚Islamischer Staat‘ angeschlossen haben, sich nun neu im Zentralirak formieren und faktisch täglich an Stärke gewinnen."

Information

Zur Autorin:

Petra Ramsauer ist Journalistin und Autorin. Sie berichtet immer wieder aus den Krisenregionen des Nahen Ostens, die sie regelmäßig bereist. Zuletzt veröffentlichte die Trägerin des Concordia-Preises das Buch "Siegen heißt, den Tag überleben: Nahaufnahmen aus Syrien" (Verlag Kremayr & Scheriau).

Hajar Ismail, der als Medien-Sprecher der Peschmerga, der irakisch-kurdischen militärischen Einheiten fungiert, berichtet, dass es bereits vereinzelt sehr ernst zunehmende Angriffe durch diese neuen Dschihadisten gegeben habe. Verwundert sei er nicht, betont er, dass nur wenige Wochen, nachdem Iraks Premierminister Haidar al-Abadi das Ende des Krieges gegen die Terrormiliz verkündet hatte, eine Nachfolgegruppe schon in den Startlöchern stehe. "Es gibt keine Stabilität in dieser Region des Iraks. Je dominanter und brutaler schiitische Milizen im Auftrag der irakischen Zentralregierung in diesem von Sunniten bewohnten Teil des Iraks in Erscheinung treten, desto mehr an Zulauf gewinnen solche extremistischen Gruppen, die sich als Widerstand der sunnitischen Bevölkerung inszenieren."

Rakka in Trümmern. Ein Kämpfer der SDF zwischen den Ruinen der syrischen Stadt.

Rakka in Trümmern. Ein Kämpfer der SDF zwischen den Ruinen der syrischen Stadt.© Zohra Bensemra Rakka in Trümmern. Ein Kämpfer der SDF zwischen den Ruinen der syrischen Stadt.© Zohra Bensemra

Blitz-Comeback der Dschihadisten

Aus der Distanz betrachtet, ist das Bild der Extremisten-Szene im Irak deutlich einheitlicher als in der Nahaufnahme. Um die Pole der "Al-Kaida im Irak", die ab 2003 aktiv war und eine sukzessive Metamorphose über "Islamischer Staat Irak" bis zum "Islamischen Staat" vollzog, kreisten immer auch kleinere Gruppen, die mehr oder weniger direkt mit den Dschihadisten kooperierten. Dazu zählte etwa die Gruppe "Ansar al-Sunna". Sie war bereits 2003 aktiv und hat sich schließlich in den Terrorverband des IS eingefügt: Nun dürfte sie sich in der Region zwischen Bagdad und den Kurden-Metropole Erbil neu aufstellen. Unter dem Banner von Löwen und der weißen Flagge, Insignien, die sie bereits seit 2003 identifizierte.

Doch nicht nur bislang relativ unbekannte Dschihadisten-Gruppen, auch die Reste der Terrormiliz "Islamischer Staat" geben seit einigen Tagen alarmierende Lebenszeichen von sich. In der Stadt Hawija, dreißig Kilometer von Kirkuk entfernt, an der Grenze zu Syrien, griff die Terrormiliz "IS" erneut an: Eigentlich galt Hawija im Oktober als offiziell "zurückerobert" - doch das ist trügerisch.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-29 18:17:14
Letzte Änderung am 2017-12-30 16:11:45




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