• vom 29.12.2017, 18:16 Uhr

Weltpolitik

Update: 29.12.2017, 21:14 Uhr

Syrien

"Der ,Islamische Staat‘ ist nicht vom Himmel gefallen"




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Von Petra Ramsauer

  • Leila Mustafa, die Bürgermeisterin der ehemaligen IS-Hauptstadt Rakka, über den eigentlichen Anti-Terror-Krieg.

Bürgermeisterin Leila Mustafa.

Bürgermeisterin Leila Mustafa.© Ramsauer Bürgermeisterin Leila Mustafa.© Ramsauer

"Wiener Zeitung": Frau Mustafa, meinen Sie, dass eine junge Kurdin wie Sie von der mehrheitlich arabischen Bevölkerung Rakkas akzeptiert wird?

Leila Mustafa: Ich übe meine Tätigkeit ja gemeinsam mit einem ebenso gewählten arabischen Mann aus. Diese Doppel-Führung soll zeigen, dass Syrien ein neues System braucht, in dem alle Gruppe Mitsprache haben.


Wie kann eine Stadt wie Rakka mit ihren 200.000 Einwohnern drei Jahre Herrschaft der Terrormiliz-IS verdauen?

Wichtig ist, dass wir uns über die Wurzeln klar werden. Der "Islamische Staat" ist ja nicht vom Himmel gefallen. Viele Menschen hier haben die Gruppe auch unterstützt. Wir müssen uns jetzt fragen: Warum stellt sich jemand auf die Seite eines dermaßen brutalen Systems? Und was ebenso wichtig ist: Wie können wir verhindern, dass es nochmals geschieht?

Welche Antworten haben Sie anzubieten?

Dass die Terrormiliz hier so stark wurde, hat eben viel damit zu tun, dass sich die Bevölkerung, zum Großteil arabische Sunniten, vom Regime von Präsident Bashar al-Assad massiv marginalisiert gefühlt hat. Als er im Laufe des Bürgerkrieges immer mehr auf die Unterstützung des Irans gesetzt hat, vertiefte sich diese Kluft. Am nötigsten wäre es jetzt aber, die zerstörten Gebiete rasch aufzubauen. Die Bevölkerung ist auf 60 Lager verteilt. Rakka ist immer noch mit 8000 Sprengsätzen vermint. Wir bräuchten dringend mehr internationale Hilfe, damit die Bevölkerung erkennt, dass der Krieg gegen den "Islamischen Staat" auch ihr Sieg ist. Sonst droht sich die Enttäuschung in Radikalisierung zu übersetzen.




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Dokument erstellt am 2017-12-29 18:20:06
Letzte Änderung am 2017-12-29 21:14:07




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