• vom 02.01.2018, 17:19 Uhr

Weltpolitik

Update: 02.01.2018, 17:45 Uhr

Korea-Krise

"Rocket Man" will reden




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Von Michael Schmölzer

  • Nordkorea erwägt, an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang teilzunehmen. In Seoul ist man erfreut.

Ein südkoreanischer Polizist trainiert vor dem Olympiastadion von Pyeongchang. Demnächst könnte er auch für die Sicherheit nordkoreanischer Gäste zuständig sein. - © reuters

Ein südkoreanischer Polizist trainiert vor dem Olympiastadion von Pyeongchang. Demnächst könnte er auch für die Sicherheit nordkoreanischer Gäste zuständig sein. © reuters



Seoul/Pjöngjang. Friedenshoffnung oder doch nur Finte? Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat in seiner Neujahrsansprache überraschend angekündigt, dass sein Land an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang teilnehmen könnte. Man sei daran interessiert, dass das Mega-Event erfolgreich ausgetragen werde, und würde sofort ein Treffen dazu vereinbaren, so Kim.

Bringt also der Sport den Frieden? Die Welt hofft. Und nachdem der wilde Mann in Pjöngjang zuletzt einen atomaren Showdown erzwingen wollte, ist man in Südkorea über die ausgestreckte Hand erfreut. Auch wenn man den friedlichen Absichten Kims nicht wirklich traut, will man am 9. Jänner im Grenzort Panmunjom über die im Februar startenden Winterspiele reden - und an einer Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen arbeiten.


Sollte das Treffen stattfinden, wäre es das erste dieser Art seit zwei Jahren. Südkoreas Präsident Moon Jae-in hat Nordkorea bereits im Sommer eingeladen, an dem weltweit beachteten Sportereignis teilzunehmen. Für ihn ist jedoch klar, dass eine Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen nicht von der Lösung des Atomstreits getrennt werden kann.

Es gibt kritische Stimmen, die der Geste Kim Jong-uns nicht trauen. Dem Diktator gehe es nur darum, Seoul und Washington zu entzweien, warnen sie.

"Roter Knopf" griffbereit
Wie dem auch sei. Der Cheforganisator der Winterspiele, Lee Hee-boem, ist über die jüngsten Entwicklungen hoch erfreut: "Wir haben uns darauf vorbereitet, dass Nordkorea an den Spielen teilnehmen wird." Alle Athleten, einschließlich der Nordkoreaner, würden sich während des Aufenthalts in Pyeongchang "wie zu Hause fühlen", verspricht er.

Die atomaren Drohungen, die zwischen den USA und Nordkorea ausgetauscht werden, sind derzeit zweifelsohne der gefährlichste geopolitische Konflikt. Auch das war an der Neujahrsansprache Kim Jong-uns ablesbar: Die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika seien in Reichweite nordkoreanischer Atomwaffen, so der Diktator, Washington könne "niemals einen Krieg gegen mich oder unser Land beginnen". Nordkorea werde jedenfalls mit der "Massenproduktion" von atomaren Sprengköpfen fortfahren. Und er habe den roten Knopf ständig auf seinem Schreibtisch, so Kim Jong-un.

Kim Jong-un setzt seine systematischen Provokationen gezielt ein, um internationale Aufmerksamkeit, humanitäre Hilfe und die Aufnahme von Verhandlungen zu erzwingen. Er spielt auch im neuen Jahr ein gefährliches Spiel. Schließlich muss er vermeiden, dass er den Punkt erreicht, an dem die USA keine andere Wahl mehr haben als anzugreifen.

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Dokument erstellt am 2018-01-02 17:23:09
Letzte ─nderung am 2018-01-02 17:45:27




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