• vom 03.01.2018, 17:35 Uhr

Weltpolitik

Update: 03.01.2018, 18:03 Uhr

Iran

"Generation Telegram" will Veränderung




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Von Arian Faal

  • Irans Führung verstärkt die Polizeipräsenz und veranstaltet Pro-Regime-Kundgebungen.

Die seit einer Woche anhaltenden Proteste forderten bereits mehr als 20 Todesopfer, darunter in Dorud (Bild).

Die seit einer Woche anhaltenden Proteste forderten bereits mehr als 20 Todesopfer, darunter in Dorud (Bild).© ap/Abaca Die seit einer Woche anhaltenden Proteste forderten bereits mehr als 20 Todesopfer, darunter in Dorud (Bild).© ap/Abaca

Teheran/Wien. Eine Woche nach Beginn der Proteste gegen die iranische Führung mit mehr als 21 Toten und hunderten Verletzten hat das Innenministerium die Polizeipräsenz in allen großen Städten und Dörfern verstärkt und am Mittwoch einige Pro-Regierungsdemonstrationen organisiert. Tausende Staatsbeamte waren dazu aufgerufen, innerhalb der Dienstzeit auf die Straße zu gehen und eine Flagge der Islamischen Republik und ein Abbild des Obersten Geistlichen Führers, Ayatollah Seyed Ali Khamenei, mitzubringen. Viele schwenkten Flaggen und riefen: "Das Blut in unseren Venen ist ein Geschenk für unseren Führer." Außerdem forderten sie lautstark, Aufständische hinzurichten. Auf Transparenten machten sie die USA, Saudi-Arabien, Großbritannien und Israel für die kritischen Proteste verantwortlich.

Brutale Bassij-Milizen
Obwohl einige junge Männer der "Wiener Zeitung" telefonisch bestätigten, dass die Proteste am Mittwoch in Teheran und Shiraz abgeebbt sind, meinten sie unter Zusicherung der Anonymität, dass "die Sache für die da oben noch nicht ausgestanden ist".


Die Polizei habe sich am ersten Tag zurückgehalten, doch ab dann sei sie eingeschritten. Die paramilitärischen Bassij-Milizen hätten Menschenansammlungen aufgelöst und seien dabei brutal vorgegangen. "Ich versuche, Proteste zu vermeiden, doch als die U-Bahn einmal nicht fuhr, musste ich zu Fuß durch eine Demonstration gehen, und es war schrecklich. Die Sicherheitskräfte griffen hart durch", erzählt ein junger Verkäufer aus der Hauptstadt Teheran am Telefon. "Nicht, dass ich mich vor den Sicherheitsbeamten fürchte, nein, aber wenn sie dich erwischen und mitnehmen, dann bist du erledigt", ergänzt er. Teherans sei auch nicht das Epizentrum der Proteste. Zudem findet der Aufstand nicht nur auf der Straße statt. Vielmehr sind es Soziale Medien, die als Stimmungsbarometer fungieren. Eines ist klar: Die größte "Waffe" der Regimegegner im Iran ist ihr Alter: Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung (rund 80 Millionen Menschen) sind unter 30 Jahre alt, im Großraum Teheran (16 Millionen Einwohner) sind 13 Millionen unter 29 Jahre alt.

Und fast alle jungen Menschen haben ein Mobiltelefon und sind Mitglieder bei diversen Sozialen Medien wie YouTube, Instagram, Facebook und Twitter, die im Iran teilweise verboten und nur durch VPN-Systeme (Filterbrecher) zu bedienen sind. Das beliebteste Kommunikationsmittel in der Islamischen Republik ist aber Telegram. Während die App in Europa nur einer unter vielen Messengern ist, sieht die Situation im Iran ganz anders aus: Mehr als 40 Millionen monatlich aktive Nutzer nennen sich "die Generation Telegram". Gerade die zahlreichen öffentlich zugänglichen Informationskanäle, die von unterschiedlichster Seite dafür angeboten werden, erfreuen sich reger Beliebtheit.

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Schlagwörter

Iran, Teheran, Proteste

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Dokument erstellt am 2018-01-03 17:38:10
Letzte nderung am 2018-01-03 18:03:51




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