(fez) Auf die Frage, wie der Winter wird, anwortet Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie mit einem Lachen: "Das wüsste ich selber gern." Meteorologische Pauschalurteile sind nun einmal schwierig. Sicher ist nur, dass die Temperaturen in der kalten Jahreszeit noch stärker als in der warmen Jahreszeit schwanken.
Der Winter 2005/06 war zum Beispiel einer der kältesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Ostösterreich, er lag 2,3 Grad unter dem langjährigen Durchschnitt. Im nächsten Jahr folgte jedoch ein Winter, der im Mittel um 3,8 Grad zu warm ausfiel. In den letzten beiden Jahren waren die Winter dafür wieder ein wenig zu kalt, aber wirklich nur ein wenig: Die Abweichung vom Durchschnitt der letzten Jahre betrug nur ein Grad Celsius.
Ob viel oder wenig Brennmaterial nötig sein wird, vermag die Hohe Warte also nicht vorauszusagen. In vielen Haushalten ist die Frage auch nicht so wichtig, weil sie mit so genannten Komfortheizungen erwärmt werden. Die Gasheizung ist dabei am verbreitesten, gefolgt von der Fernwärme, die unter allen Heizformen die höchste Zuwachsrate aufweist.
Das Wiener Fernwärmenetz gilt mit 1.160 Kilometer als eines der längsten in Europa. Die Energie, die durch seine Leitungen strömt, stammt zum größten Teil aus kalorischen Kraftwerken, die mit Erdgas betrieben werden. Etwas mehr als 20 Prozent steuern die Müllverbrennungsanlagen bei.

Alternativenergien haben Seltenheitswert
Knisternde Holzscheite wärmen nicht nur das Gemüt, sondern auch die Seele. Statistisch befinden sich Holzheizungen indes unter ferner liefen. Auch Alternativenergie hat sich als Heizquelle noch nicht richtig etabliert.
In Wien-Aspern entsteht auf dem Gelände der Seestadt jedoch ein Kraftwerk, gegen das es vermutlich nie Bürgerproteste geben wird. Das Geothermie-Kraftwerk Aspern zapft 150 Grad warmes Wasser in der Tiefe an und leitet es nach oben. Mit 40 Megawatt nimmt sich seine Leistung vergleichsweise bescheiden aus, aber gut 40.000 Haushalte und Betriebe kann es mit Warmwasser und Heizungsenergie versorgen.
Auf andere Weise Schlagzeilen machte die Bestattung Wien. Für die Beheizung ihrer neuen Zentrale beim Zentralfriedhof will sie die Abwärme des Krematoriums nutzen: "Bestattung Wien heizt neue Zentrale mit Leichen", hieß es prompt in den Boulevard-Medien. Das war stark übertrieben, denn mit Leichen kann man nicht heizen. Der Energieaufwand zu ihrer Verbrennung ist höher als der Heizwert der Verblichenen.
1 Grad weniger bringt 6 Prozent Kostenersparnis
Die Heizsaison ist auch eine Zeit für Ratschläge aller Art, weil die Kosten für Gas, Heizöhl und feste Brennstoffe beständig steigen. Heizöl und Ergas gelten in den Inflations-Analysen derzeit als die stärksten Preistreiber.
Eine gute Wärmedämmung oder zumindest einigermaßen dichte Fenster werden den Konsumenten deshalb nahe gelegt, das richtige Lüften (Fenster für einige Minuten weit öffnen und auf keinen Fall dauerhaft kippen), die Wahl einer vernünftigen Temperatur (jedes Grad weniger bringt sechs Prozent Ersparnis), die Drosselung der Heizung, wenn sie nicht gebraucht wird (zum Beispiel in der Nacht).
Für viele Österreicher gehen die Ratgeber allerdings nicht weit genug: Seit einigen Jahren hat das furchtbare Wort "Energiearmut" Konjunktur. 237.000 Menschen in Österreich können laut einer aktuellen Studie der Volkshilfe ihre Wohnung nicht angemessen heizen. Die Caritas fordert deshalb ein Verbot von Energiesperren im Winter, wie es beispielsweise in Belgien existiert.