
Wenn man den aktuell unwirtlichen Umständen zum Trotz zu Fuß unterwegs ist, hat man den Vorteil weitgehend freier Sicht auf die Architektur der Stadt. Extreme Temperaturen vertreiben nun einmal die Menschen, und während Kuala Lumpur nur dem mutigen Marschierer in der Mittagshitze ein freies Blickfeld bietet, eröffnet sich selbiges in Wien dem waghalsigen Winterwanderer.
Solcherart kann man etwa auch die Wiedner Hauptstraße bis zum Fluchtpunkt betrachten, ohne von allzu vielen Autos daran gehindert zu werden. Auf dem Gehsteig tauchen nur vereinzelt Menschen der rar gewordenen Gattung Hausmeister auf, die mit Schaufeln und Streuen beschäftigt sind, was andernorts von so genannten Hausbetreuungen erledigt oder auch nicht wird, wie man feststellen kann, wenn man bis zu Knöcheln im Schnee versinkt.
Menschenleer ist auch die Fläche vor dem Café Wortner, weshalb ich erstmals die Inschrift auf dem Engelbrunnen in Ruhe lesen kann. Um einen schröcklichen Räuber, den Waldteufel, geht es da, den eine kluge Jungfer namens Elsbeth unschädlich gemacht hat. Dafür ließ sie sich von einem Schlosser einen Stuhl anfertigen, dessen Eisenbänder sich um den bösen Buben legten, kaum dass er Platz genommen hatte. Wie alle brauchbaren Mythen funktioniert die Sage auf mehreren Ebenen. Man muss kein glühender Freudianer sein, um die erotische Komponente einer Geschichte zu erfassen, in der eine Jungfrau einen wilden Mann umgarnt und fängt.
Dabei fällt mir fast zwangsläufig der im November verstorbene Liedermacher Reinhard Liebe ein, der wie kein anderer Altwiener Geschichten in Balladen und Gstanzln für die Gegenwart adaptieren konnte. Er sang vom Basilisken, vom Werwolf auf dem Kardinal-Nagl-Platz und von der teuflischen Feile, mit der man sich Goldstücke von den Lippen schmirgeln kann:
"Schab den Rüssel, schab den Rüssel, schab den Rüssel, sei net faul!
Lass die Raspel ordntlich raspln, schab den Rüssel, schab des Maul!
Tuat's a weh zum Aus-da-Haut-fahrn, rinnt des Bluat da scho vom Mund:
Schab den Rüssel, schab den Rüssel, wäu die Gier, die is a Hund."
Und das ist ja nun inmitten des Heulens und Zähneklapperns von Hausherren und Steuerflüchtlingen wirklich sagenhaft - aktuell.
Den edelsten Geigenklang, den Wien am Donnerstagabend zu bieten hatte, erheischten vermutlich die Ohren im Wiener Konzerthaus...weiter
Der Sommer ist da, auch wenn das Wochenende eher eine Abkühlung verspricht, so zeigte sich doch, dass der Winter endlich vorbei ist...weiter
Infrastruktur zählt, dass merkt jeder Stadtbewohner spätestens dann, wenn in seiner nächsten Wohnumgebung unerfreuliche Veränderungen erfolgen...weiter
Längst haben Fahrräder die Autos überholt. Pro Jahr werden rund 400.000 bis 450.000 Drahtesel neu gekauft, ein Drittel mehr als Blechkarossen...weiter
Die Tage sind länger geworden. Nicht, weil sie plötzlich 25 Stunden hätten, sondern weil durch den europaweiten Zeitsprung die Helligkeit nach hinten...weiter
Wer geht schon gerne ins Spital? Ich vermute niemand. Es geht allerdings diesmal nicht um Krankheiten und auch nicht um die oftmals sehr wundersamen...weiter
Piep, piep, piep. Das Leben ist voller Piepser. Wecker, Handy, Türöffner, Kassenscanner, rückwärts fahrende Lkws. Alles piept...weiter
Ich bin ja eigentlich keine Freundin der Zahlen. Doch manchmal, da sprechen sie einfach für sich: Laut Caritas gibt es in der 1...weiter
Schnee in Wien: Da freuen sich wohl nur Kinder, Sportartikelketten, Reifenhändler und – dieser Verdacht sei hier einmal ausgesprochen –...weiter
Im Winter kann man die Dunkelheit deutlich sehen. Besonders, wenn man nachts allein auf dem Rad sitzt und an Orte gelangt...weiter
Dieser Blog ist absolut inhaltsleer. Ich habe nichts zu sagen. Absolut gar nichts. Und da sich dieser Blog "Wien-Blog" nennt...weiter
Sind Menschen, die am 21. Dezember einen Weihnachtsbaum kaufen, unverbesserliche Optimisten, absolute Vollidioten, fatalistische Defätisten...weiter
Eine Meinung hat man. Ja, eine Meinung hat man zu haben. Wo man hinkommt, hat jemand eine Meinung. Die meisten Menschen haben sogar mehrere...weiter
Die verzweifelt auf Parkplatzsuche herumkreisenden Autos sind ein klares Signal: Die Zeit der Christkindlmärkte und Punschstände ist gekommen...weiter
Raketen, Sirenen, Luftschutzbunker: Urlaubserinnerungen der anderen Art bringt dieser Tage eine Reise nach Israel...weiter
"Wo sind denn all die Autos hin", fragt eine ältere Dame den neben ihr sitzenden Herren in der U-Bahn. "Na weg, das waren alle Pendler"...weiter
Kongresse, das weiß in Wien seit dem Biedermeier jedes Kind, machen vor allem eines: Sie tanzen. Vom Herbst 1814 bis in den Frühsommer 1815 vereinigte...weiter