
Wien. "Stehenbleiben", brüllt der Passant, baut sich vor der Radfahrerin auf und verstellt den Weg. Er ist kurz davor, handgreiflich zu werden. Zugegeben, Radfahren auf dem Gehsteig ist verboten. Man sollte es nicht tun. Auch nicht, wenn es der kürzeste Weg ist. Und schon gar nicht in der Wiener Innenstadt, wo ja doch ab und an Fußgänger unterwegs sind.
Doch wenn man Hauseingänge umschifft und sich in einem Tempo fortbewegt, in dem jeder Jogger bei mittlerer Pulsfrequenz die Passanten eher ummannen könnte, könnte man doch ein Auge zudrücken. Denn hier sind wir am Punkt: Radfahrer können - im Gegensatz zu Autofahrern - bei einer umsichtigen (!) Fahrweise nicht allzu viel anrichten (außer bei sich selbst).
Und verstößt man gegen die Verkehrsordnung, muss man eben mit Konsequenzen rechnen - und bereit sein, für diese zu zahlen. Doch diese Selbstjustiz ist mir mehr als suspekt. Hätte der Passant mich höflich (!) darauf hingewiesen, dass ich doch bitte von meinem Rad absteigen soll, hätte ich es vielleicht getan. Aber hier hatte ich es wohl mit einem jener Exemplare zu tun, die sich noch des Aufregens Willens aufregen wollte. Und von dem Passant mit Blutdruck auf 180 ging wohl mehr Gefahr aus als von mir.
Natürlich sollte uns nicht wurscht sein, was im öffentlichen Raum passiert. Aber die Wiener sollten sich ihre Energie lieber aufsparen, um dann einzuschreiten, wenn wirklich jemand zu Schaden kommt.
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