Die drahtlosen Netzwerke der Stadt zeugen von einer gewissen Kreativität, manchmal aber auch von einer großen Portion Dummheit.
Wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Wien fahre, dann genieße ich gerne die Umgebung und freue mich, dass der Sommer naht – zumindest wenn ich oberirdisch in der Bim sitze oder im Bus. Der Jahreszeitenwechsel in der U-Bahn ist hingegen eher eine fade Angelegenheit, außer man nimmt die U6.
Aber ich schweife vom Thema ab. Es begann vor einiger Zeit, dass ich auf dem Weg in die Arbeit oder auch von der Arbeit nach Hause noch schnell oder schon vorab meine E-Mails lesen oder in den sozialen Netzwerken mit Freunden plaudern wollte. Daher Smartphone ausgepackt und losgesurft. Der Segen moderner Technologien liegt ja darin, dass sie sich verbreiten. Musste ich früher fast immer im eigenen Netzwerk auf Kosten meiner inkludierten Datenmengen im Internet surfen, so kann ich mich nun in öffentliche und ungesicherte private WLAN – also drahtlose Netzwerke, die den Zugang zum Internet schaffen – einwählen.
Kaum kommt man an einem solchen Netz vorbei, meldet sich auch schon das Handy und möchte eingebucht werden. Früher habe ich kaum darauf geachtet, doch seit einiger Zeit habe ich einen neuen Zeitvertreib entdeckt – ich erfreue mich an, manchmal ärgere ich mich auch über, ausgefallene Netzwerknamen und suche schon regelrecht danach. Wie Sie vielleicht wissen, oder auch nicht, dann werde ich Klarheit ins Dunkel bringen, birgt ein drahtloses Netzwerk – sowohl im privaten Bereich, wie auch im Unternehmen – einigen Komfort (über die möglichen Sicherheitsrisiken lesen Sie dann an anderer Stelle). Vor allem wenn mehrere Smartphones und Notebooks genutzt werden, kann der Wert einer solchen Verbindung zum Internet nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Das Problem ist aber nun, dass immer mehr Menschen an dieser Technologie Gefallen finden. Wenn man nun in den eigenen vier Wänden sein privates Netzwerk sucht, kann es leicht sein, dass die vordefinierten Namen (etwa ThomsonXXX, UPCXXXXX oder SpeedTouch, etc ) das Auffinden und Einwählen nicht gerade einfach machen. Was macht nun der technikaffine Anwender? Er benennt sein Netzwerk um.
Glauben Sie mir, gehen Sie mit ihrem Smartphone durch Wien und lassen Sie sich die verfügbaren Netzwerke anzeigen. Es kann durchaus unterhaltsam sein. Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass viele Menschen in dieser Stadt gerne obszöne Ausdrücke für die Benennung ihrer Heimnetzwerke verwenden. Die Gründe dafür blieben mir schleierhaft. Vielfach wird das eigene Geschlechtsorgan - oder der Wunsch ein größeres Gemächt zu haben? - in unterschiedlichsten Variationen als Name verwendet. Abwertungen vor allem von weiblichen Geschlechtsorganen fanden sich auch vielfach. Interessanterweise ist dies keine Frage des Bezirks – es passiert quer durch die Stadt. Es hängen also Geschlechtsteile in der Luft.
Erfreulicherweise gibt es aber Menschen, die sich durch mehr Kreativität und Witz auszeichnen. So kann man von "Scheissinternet" (es dürfte sich hierbei um keinen technikaffinen Menschen handeln, sondern um jemanden der mit seiner Internetverbindung nicht immer zufrieden zu sein scheint), über DieMatrix, Pandoras Box und Bertls Netz alle möglichen und unmöglichen Namen finden. IT-Personal von Firmen scheint hier weniger kreativ, meist gibt es aber neben dem Hauptfirmennetz immer auch ein Netzwerk mit der Bezeichnung "Gast" oder "Guest". Restaurants und Lokale machen so mittlerweile auch durchaus Werbung für sich oder erregen Aufmerksamkeit.
AndroidHotspot, Looza, Panoramablick, Ausblick, Weitblick, Fernreise, Teleporter, Scottie, Make a way, Shaolin A, Halb7 und Zitronenfisch begleiten mich hingegen fast jeden Tag auf dem Weg in die Arbeit. Ich würde mich freuen, wenn Sie ihre aufgefundenen WLAN-Namen posten, denn dann wird die Suche spannender.
Vor lauter WLAN-Namen-suchen und finden, bin ich gar nicht zum E-Mail-Bearbeiten gekommen. Aber dafür sollte ja eigentlich der Arbeitsplatz geschaffen sein.
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