• vom 06.04.2012, 13:30 Uhr

Blogs

Update: 06.04.2012, 14:37 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Wien-Blog

Keine Frage des Stils


Von Christa Hager

Kein Unterschied zum Draußen: in Wien herrscht auch in wohlig warmen Hallenbädern ein Kampf um Platz. - © Kzenon - Fotolia.com

Kein Unterschied zum Draußen: in Wien herrscht auch in wohlig warmen Hallenbädern ein Kampf um Platz. © Kzenon - Fotolia.com

Hallenbäder sagen oft  mehr als tausend Worte – mehr als die Worte in so manchem Soziologiebuch zum Beispiel. Denn Hallenbäder sind ein besonderes Biotop: auf relativ kleinem Raum kommen viele Menschen in einem doch eher intimen Rahmen zusammen.

Werbung

Eines vorneweg: Ich bin ein Fan von Wiens Hallenbädern und schätze deren Sauberkeit, Wärme, Leistbarkeit und Chlormenge. Wenn es darum geht, brauchen Wiens städtische Hallenbäder den internationalen Vergleich nicht scheuen. Schlecht steigen sie aber dann aus, wenn man sieht, was die Menschen damit machen.

In vielen Großstädten anderer Länder wird nämlich in Bahnen geschwommen. Hintereinander. Das erlaubt nicht nur verschiedene Schwimmstile und Geschwindigkeiten, sondern zeugt auch von Respekt vor den Mitmenschen rundherum. Was dort eine Selbstverständlichkeit ist, glänzt in den Hallenbädern hierzulande durch Abwesenheit. Hier herrscht ein raues Klima; es herrscht das Recht des Stärkeren.

Denn in Wien ist jeder sich selbst der Nächste. Da sind auch die Hallenbäder keine Ausnahme: Am besten wär', ich hätt das ganze Bad für mich allein, denkt sich der Wiener. Daher verteidigt er seinen Platz auch im Hallenbad, damit ihm niemand in die Quere treibt. Zum Beispiel in demjenigen Sportbeckenteil, aus dem sich die älteren Herr- und Frauschaften aus dem Staub gemacht haben: dort rudern Testosteronbolzen den Entgegenkommenden in einer Kraulgeschwindigkeit zu, dass man nur mit Mühe einen Fluchtweg findet. Andere Hobbysportschwimmer über- oder unterschwimmen einfach alles, was ihnen im Weg ist, andere wiederum folgen auch im Hallenbad dem Prinzip der Autobahn: allein unterwegs, stetig überholend, selten einfädelnd, und sich unbeirrt am Geradeaus orientierend. Und Rückenschwimmer haben hinten bekanntlich keine Augen, sodass man auch hier – um einem Zusammenstoß zu entgehen, sich besser rechtzeitig um Kehraus umschaut.

Aber am Wienerischsten ist es, wenn Schwimmerinnen und Schwimmer sich verstohlen auf einer bereits von mehreren Menschen beschwommenen Bahn ausbreiten, und so tun, als wären sie die einzigen auf dieser Bahn. Dies praktizieren sie außerdem mit einer schrecklichen Gleichgültigkeit – meist mit einem Blick durch einen durch oder an einem vorbei, als wäre man nicht da. Egal, ob mit oder ohne Schwimmbrille. Hauptsache sie haben ihren Platz, das Rundherum ist egal.

Damit kein Missverständnis entsteht: es gibt natürlich Ausnahmen von der Regel, das Schwimmen in Bahnen nach internationalem Vorbild ist möglich, je nachdem, ob sich die Menschen im Becken zu einem solchen zusammenraufen können. Aber es ist nicht leicht. Wäre es aber: würden auch  SchwimmerInnen die Menschen rund um sich als Mitmenschen erkennen und nicht bloß als scheinbare Bojen, die Platz wegnehmen. Sprich: sich selbst wie auch andere als Mitglieder, als Teil einer Gesellschaft betrachten. Dann wäre auch das Schwimmvergnügen ein weitaus größeres und liefe nicht Gefahr, zu einem Spießrutenlauf um die Möglichkeit des Fortkommens im Wasser werden. Das geht aber nur mit Rücksicht und Respekt anderen gegenüber - eben so, als wäre man nicht allein auf weiter Schwimmspur.




Schlagwörter

Hallenbäder, Wien-Blog, Schwimmen

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-03-30 11:43:15
Letzte Änderung am 2012-04-06 14:37:24


Beliebte Inhalte



Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Hier wird vereint, was vor ein paar Jahren für Kopfschütteln sorgte. - Mazak
  • Am 23. Mai eröffnet die Wohngemeinschaft offiziell ihre Pforten.
  • weiter

Aufräumen: Die Freiwilligen bargen am 5. Mai rund 100 Fässer (l.). Die Via Donau holte bis Freitag 320 "Auftriebskörper" aus dem Wasser, eine Ölsperre wurde errichtet (r.).
  • In der Alten Donau gammeln hunderte alte Fässer vor sich hin - manche von ihnen enthalten Giftstoffe.
  • weiter

Wer liegt denn da, fragen sich einige Wiener bei der Volksanwaltschaft. - apa
  • 114 Missstände konnten im Jahr 2012 festgestellt werden.
  • weiter

Kein Copyright auf seine Gesten hat Charles alias Wolfgang Amadeus Mozart. - Luiza Puiu
  • Der Kodex der Straße ist Geschichte, heute kämpft jeder gegen jeden.
  • weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter

Absperrungen auf dem Heldenplatz soll es heuer erstmals nicht geben. - apa
  • Anstelle des Aufmarschs der Burschenschafter wird der Heldenplatz am 8. Mai zum Konzerttag.
  • weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung