• vom 20.04.2012, 09:18 Uhr

Blogs

  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Wien-Blog

First Exit Matzleinsdorf


Von Franz Zauner

Abenteuer im Kühlwaggon: Ungeheizte Züge sind ungemütlich.

Abenteuer im Kühlwaggon: Ungeheizte Züge sind ungemütlich.WZ Online / Franz Zauner Abenteuer im Kühlwaggon: Ungeheizte Züge sind ungemütlich.WZ Online / Franz Zauner

Das Abenteuer begann schon nach fünf Minuten. Wir wollten die kalte Wienerstadt verlassen, luden den Fiat am Matzleinsdorfer Platz in den Autoreisezug nach Livorno und setzten uns in das Beste, was die ÖBB auf der Strecke zu bieten haben: in das Dreier-Schlafwagenabteil.

Dort war es kalt, und es blieb kalt. Meine Frau bemerkte es als erste. Sie lebt irrtümlich im Norden, die Natur hat sie für den Breitengrad Marmarameer-Malta-Malaga bestimmt. Sie reklamierte sofort, andere Passagiere folgten. Am Ende auch ich. Ich bin mehr der Murmansk-Typ, ich brauche länger, bis ich kalte Füße bekomme. Wie übrigens auch der Zugschaffner. Im kurzärmeligen Hemd steht er vor mir, einen feinen Schweißfilm auf der Stirn. Ihm wird heiß, wenn er Stress hat. Deshalb kann er das Problem der ausgefallenen Heizung zwar kognitiv nachvollziehen, aber nicht körperlich. Er wäre ein perfekter Sommerschaffner, weil sich ihm der Ausfall der Klimaanlage in gewaltigen Hitze-Wallungen mitteilen würde. Im Winter spricht seine Konstitution sozusagen gegen das Problem. Trotzdem kämpfte er tapfer mit der Technik.

Unvermutet in die Glieder kriechende Kälte erzeugt durchaus Panik. Ich sah schwere Erkältungen kommen, die unseren eskapistischen Toskana-Gelüsten ein jähes Ende setzen würden. Ich würde keinen kühlen Vernaccia in der Sonne von San Gimignano trinken und anschließend im Dom das Fresko von Ghirlandaio anschauen, auf dem ein vorwitziger Ministrant die Ortsheilige am Fuß kitzelt. Und in Florenz nicht auf Botticellis Venus treffen, die sich gut gehalten hat, obwohl sie jedes Jahr Millionen Leute atemlos anhauchen. Ich würde auch nicht Caravaggios Medusa anstarren, anschließend kein "Makkaroni Wildschein gejagt" essen, und schon gar nicht vor einem weiteren interessanten Gericht, "Montainbike mit Schinken", zurückschrecken. In Lucca würde mir das herrliche Restaurant Gigi entgehen, das mit Suppenreindln, Essig & Öl in ausgedienten Tomatendosen und moderaten Preisen dem Trend zur Refeudalisierung des guten Essens charmant entgegenwirkt. Und wir würden auch nicht vom dort gekochten Branzino unter Kartoffelscheiben und der Klassiker-Interpretation "Tiramigigi" im Abendrot schwärmen.

Dass dann alles doch noch so kam, verdanken wir zwei Schaffnerinnen, die phänotypisch eindeutig auf der 3M-Linie (Marmarameer-Malta-Malaga) lagen. Sie evakuierten kurzerhand den Kühlwaggon. Wir landeten in einem warmen 6er-Liegewagen, dem Drittbesten, was die ÖBB zu bieten hat.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-19 16:19:11
Letzte Änderung am 2012-04-19 20:21:32


Beliebte Inhalte



"Totally sexy" lautet hier das Motto. Und das um jeden Preis. - Luiza Puiu
  • Label balanciert auf dem schmalen Grat zwischen sexy und ordinär.
  • weiter

Eva Moser aus Graz bei der Eröffnung. - Johann Werfring
  • Internationales Damenschachturnier kommt nun in die heiße Phase.
  • weiter

Auf Sexualverhalten bezogene Aidsbekämpfung macht wenig Sinn, so Hunsmann. - Apaweb/Pfarrhofer
  • 21. Life Ball will Bewusstsein im Kampf gegen HIV/Aids schaffen
  • weiter

Die ersten Gäste für den Lifeball sind bereits in Wien. - APAweb / Herbert Neubauer
  • Stars aus New York und Cannes kommen nach Österreich.
  • weiter

Das Animationsabenteuer "Epic" ist in Wien ab 6 Jahren zu sehen, sonst ab 8 Jahren. - Twentieth Century Fox Film Corporation
  • Wiens Filmbeirat, der das Alter bei Kinofilmen bestimmt, wird abgeschafft.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Der Radfahrverkehr soll gefördert werden. - apa/Helmut Fohringer
  • Hitzige Debatte im Gemeinderat - Öffnung von Einbahnen für Radfahrer.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter




Werbung




Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers. Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

"Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Werbung