
Wenn der Morgen damit beginnt, dass man völlig genervt von
einem brüllenden Kind ist, das sich nicht und nicht beruhigen will und das nicht
einmal sein eigenes Kind ist, dann hat sich Folgendes zugetragen – im 14.
Bezirk, im Breitenseer Viertel. Das eigene Kind sitzt im Kinderzimmer und
verweigert alle fünfzehn Langarm-Shirts, die frohlockend auf dem Boden
aufgebreitet wurden. Einem einfachen Nein des Kindes folgt sein bockiges
Aussitzen. Unter der Aufsicht des Papas wird es dann ebenfalls einfach und
demonstrativ zurückgelassen.
Jede Minute ist kostbar, jede Minute kann für Erledigungen genutzt werden. Dann eben schnell in den Foto-, Optik-, Elektronikhandel fast ums Eck. Die Fotos müssen schnell entwickelt und in das bereits vorbereitete Kuvert gesteckt werden, denn die Tante in Vorarlberg wartet ohnehin schon so lange auf das Danke Schön für die Oster-Sachen und der Kindergarten gibt statt den bisher bereits entwickelten Fotos des eigenen Kindes nur noch Foto-CDs her, auf denen alle oben sind und daheim hat das
Notebook kein CD-Laufwerk, . . . der Weg zu entwickelten Fotos kann lang sein.
Die noch von Wut angetriebenen raschen Schritte werden abrupt von einer Glastür abgebremst, die sich nicht wie sonst automatisch öffnet. Es ist 8.35 Uhr. Das Geschäft sperrt erst um 9 Uhr auf. Alles wieder zurück, das Kind wird geschnappt und in den Kindergarten gebracht.
Es ist 9.25 Uhr – aber jetzt. Der Foto-Sofort-Ausdruck-Automat ist ein neuer. Da hatte man sich erst in den letzten Jahren langsam an den alten gewöhnt, jetzt ist wieder alles anders. "Das funktioniert nicht", hört man die leicht genervten Stimmen von beiden Automaten. Die Angestellten eilen zu Hilfe, noch sehr höflich - der Selbstbedienungsautomat, der ständig Kundenbetreuung verlangt, aber das war schon immer so.
Aus dem unteren Stockwerk, der Foto-Abteilung, hört man ein Babygeschrei. Zunächst nichts Ungewöhnliches, doch das Geschrei steigert sich
in hysterisches Gekreische, das nicht enden will. Die Fotos auf dem Bildschirm werden nicht angezeigt, die CD hängt – alles wieder von vorne. Alle fünf Minuten geht entweder ein Verkäufer oder ein Kunde hinunter, um zu schauen, was da los ist. "Wird da ein Kind misshandelt?", "Was passiert da?"
Auf einem schwarzen Hocker steht ein etwa einjähriges Kind, das sich an seine Mutter klammert. Die Mutter ist liebevoll und schaut verunsichert in die Gesichter, die sie umgeben. Das Einzige, das das Baby zu quälen scheint, ist ein schwarzes, kleines Kasterl auf langen Stelzen, das es für ein paar Minuten in seinen Bann ziehen möchte. Doch das Baby will nicht. Ihm ist es egal, ob es der Kinderarzt, das Wagerl oder ein Fotoapparat ist – hat es doch gerade erst gelernt, zu sitzen. Jetzt muss es schon verstehen, dass es auf einem hohen Hocker sitzenbleiben muss, es nicht lachen darf, aber eben auch nicht weinen, seinen Schnuller nicht benutzen darf, und auf keinen Fall wegschauen darf. Die Koordinaten sind genau festgelegt, wie das Kind zu schauen hat – einen Spielraum gibt es nicht. Für die Mutter aber auch nicht, denn die will mit ihrer Familie auf Urlaub fahren und seit 2009 braucht jedes Baby seinen eigenen Pass und damit ein genormtes Passfoto.
Die Verkäufer werden ungeduldig. Nach einer halben Stunde begibt sich
die Mutter samt noch immer heulendem Kind in das obere Stockwerk mit dem Foto-Automaten. Dieser funktioniert nicht. "Bitte, wie hol ich da meine CD wieder raus?" Die Tante aus Vorarlberg muss weiter warten. Mit den Nerven am Ende ist nicht nur die Mutter mit ihrem Baby, alle anderen auch. Ob sie heuer noch in den Urlaub kommt?
Den edelsten Geigenklang, den Wien am Donnerstagabend zu bieten hatte, erheischten vermutlich die Ohren im Wiener Konzerthaus...weiter
Der Sommer ist da, auch wenn das Wochenende eher eine Abkühlung verspricht, so zeigte sich doch, dass der Winter endlich vorbei ist...weiter
Infrastruktur zählt, dass merkt jeder Stadtbewohner spätestens dann, wenn in seiner nächsten Wohnumgebung unerfreuliche Veränderungen erfolgen...weiter
Längst haben Fahrräder die Autos überholt. Pro Jahr werden rund 400.000 bis 450.000 Drahtesel neu gekauft, ein Drittel mehr als Blechkarossen...weiter
Die Tage sind länger geworden. Nicht, weil sie plötzlich 25 Stunden hätten, sondern weil durch den europaweiten Zeitsprung die Helligkeit nach hinten...weiter
Wer geht schon gerne ins Spital? Ich vermute niemand. Es geht allerdings diesmal nicht um Krankheiten und auch nicht um die oftmals sehr wundersamen...weiter
Piep, piep, piep. Das Leben ist voller Piepser. Wecker, Handy, Türöffner, Kassenscanner, rückwärts fahrende Lkws. Alles piept...weiter
Ich bin ja eigentlich keine Freundin der Zahlen. Doch manchmal, da sprechen sie einfach für sich: Laut Caritas gibt es in der 1...weiter
Schnee in Wien: Da freuen sich wohl nur Kinder, Sportartikelketten, Reifenhändler und – dieser Verdacht sei hier einmal ausgesprochen –...weiter
Im Winter kann man die Dunkelheit deutlich sehen. Besonders, wenn man nachts allein auf dem Rad sitzt und an Orte gelangt...weiter
Dieser Blog ist absolut inhaltsleer. Ich habe nichts zu sagen. Absolut gar nichts. Und da sich dieser Blog "Wien-Blog" nennt...weiter
Sind Menschen, die am 21. Dezember einen Weihnachtsbaum kaufen, unverbesserliche Optimisten, absolute Vollidioten, fatalistische Defätisten...weiter
Eine Meinung hat man. Ja, eine Meinung hat man zu haben. Wo man hinkommt, hat jemand eine Meinung. Die meisten Menschen haben sogar mehrere...weiter
Die verzweifelt auf Parkplatzsuche herumkreisenden Autos sind ein klares Signal: Die Zeit der Christkindlmärkte und Punschstände ist gekommen...weiter
Raketen, Sirenen, Luftschutzbunker: Urlaubserinnerungen der anderen Art bringt dieser Tage eine Reise nach Israel...weiter
"Wo sind denn all die Autos hin", fragt eine ältere Dame den neben ihr sitzenden Herren in der U-Bahn. "Na weg, das waren alle Pendler"...weiter
Kongresse, das weiß in Wien seit dem Biedermeier jedes Kind, machen vor allem eines: Sie tanzen. Vom Herbst 1814 bis in den Frühsommer 1815 vereinigte...weiter