
Ich gestehe: Ich gehe. Und ich fahre Rad. Und so habe ich als Radfahrerin und als Geherin mit anderen Radlern und Gängern zu tun. Und während ich als Rad-Nutzerin immer mehr Möglichkeiten habe, werden meine Fortbewegungsmöglichkeiten als Fußgängerin immer mehr beschnitten.
Denn Schanigärten werden nicht auf der Straße aufgebaut, dort könnten sie den ach so armen, weil unflexiblen Autofahrern Parkplätze wegnehmen. Sie stehen auf den ohnehin schon engen Gehsteigen. Wenn ein solcher dann auch noch an einem Geschäft vorbeiführt, an dem die eishungrigen Kunden Schlange stehen, ists vorbei mit Gehen.
Den Eindruck, dass man zu Fuß gehende Menschen abschaffen will, habe ich täglich auf dem Weg in die Redaktion am Wiedner Gürtel. Hier wird seit langem der Süd- zum Hauptbahnhof umgebaut inklusive Arbeiten am Gürtel. Diese Sanierungsarbeiten sind für die Autofahrer eine gut ausgeschilderte Hürdenfahrt, dass es dann da auch noch einen Zebrastreifen gibt, auf dem – HOPPLA – auch Fußgänger unterwegs sind, ist da nur ein zusätzliches Ärgernis. Interessant ist auch, dass der Zebrastreifen einfach aufhört, Fußgänger sich dann in einer Art Orientierungslauf den weiteren Weg hinüber zum Schnellbahn-Abgang suchen dürfen. Was denn, archaische Instinkte müssen gehegt und gepflegt werden: hier darf der Fußgänger seinen Orientierungssinn kultivieren, da der Autofahrer seinen Jagdinstinkt.
Doch nicht immer sind es die Autofahrer, die den Vorrang gegenüber dem Fußgänger bekommen. Der Weg von der Donauinsel in den Prater steht nämlich nur Radlern einwandfrei zu. Fußgänger haben bei der Praterbrücke zwar einen eigenen, von den Radfahrern getrennten Übergang – was Letztere aber nicht davon abhält, den Gehweg zu benutzen. Weil der Radweg so "überradelt" ist. Umgekehrt ist das nicht so leicht, als Fußgänger will man lieber nicht auf dem Radweg angetroffen werden, Rücksichtnahme ist da ein Fremdwort. Dabei führte dieser Weg direkt in den Prater, während auf der anderen Seite der Brücke der Gehweg in die Irre führt, der Fußgänger von der Brücke hinuntergeleitet wird, um sich dann für seinen weiteren Weg eine Bresche durch brachliegendes Baustellengelände schlagen zu dürfen.
Vielleicht liegt es daran, dass der Fußgänger noch keine Vertretung hat. Während es mehrere Autofahrerklubs und sowohl Fahrradkoordinator als auch –beauftragten gibt, gibt es gerade mal eine Fußgängerkoordinatorin. Immerhin gibt es einige Guerilla-Gänger, die "Wild Urbs", die derzeit mit einem "Power Walk" Schritte sammeln. Damit sich der Fußgänger nicht so alleine fühlt.
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