Vor 100 Jahren entwickelte sich die österreichische Literatur im Fünfeck Wien-Prag-Budapest-Lemberg-Berlin. Heute gehören ebenso selbstverständlich Autorinnen und Autoren aus Russland, vom Balkan, aus der Türkei oder dem arabischen Raum zur literarischen Szene der Stadt, beispielsweise Vladimir Vertlib, Julya Rabinowich, Alma Hadibeganovic oder Serafettin Yildiz.
Doch schon vor den gestalteten Texten, vor Schreibstilen, Erzählhaltungen und Metaphern entsteht Neues. Zu den bekannten Sagen vom Lieben Augustin und vom Basilisken kommen neue Mythen und urbane Lebenden. So kursiert unter den Wiener Latinos die Vorstellung, dass die Melancholie der Stadt jeden Gast unweigerlich in ihren Bann zieht. Wer Wien nicht innerhalb von drei Jahren verlässt, heißt es, wird sein Leben hier verbringen.
Woher die Idee stammt, lässt sich nicht feststellen. Das Gefühl dahinter hat allerdings der spanische Poet Federico García Lorca schon vor vielen Jahren festgehalten. Kleiner Wiener Walzer (Pequeño Vals Vienés) heißt das Gedicht, in dem Bettler auf dem Dach hocken, in dem Tränen Girlanden formen und der Tod eine Schulter findet, an der er sich ausweint.
Dass das Gedicht heute weit über die Leserschaft Lorcas hinaus bekannt ist, verdankt es dem Kanadier Leonard Cohen, der es als Take This Waltz ins Englische übertrug und vertonte.
Man sieht, die Literatur kommt nicht nur auf verschlungenen Wegen nach Wien, Wien kommt auch über zahlreiche Umwege in die Literatur.
Gerade weil das so ist, sollte man beim Kürzel Ha Tse stets an H. C. Artmann denken.
Den edelsten Geigenklang, den Wien am Donnerstagabend zu bieten hatte, erheischten vermutlich die Ohren im Wiener Konzerthaus...weiter
Der Sommer ist da, auch wenn das Wochenende eher eine Abkühlung verspricht, so zeigte sich doch, dass der Winter endlich vorbei ist...weiter
Infrastruktur zählt, dass merkt jeder Stadtbewohner spätestens dann, wenn in seiner nächsten Wohnumgebung unerfreuliche Veränderungen erfolgen...weiter
Längst haben Fahrräder die Autos überholt. Pro Jahr werden rund 400.000 bis 450.000 Drahtesel neu gekauft, ein Drittel mehr als Blechkarossen...weiter
Die Tage sind länger geworden. Nicht, weil sie plötzlich 25 Stunden hätten, sondern weil durch den europaweiten Zeitsprung die Helligkeit nach hinten...weiter
Wer geht schon gerne ins Spital? Ich vermute niemand. Es geht allerdings diesmal nicht um Krankheiten und auch nicht um die oftmals sehr wundersamen...weiter
Piep, piep, piep. Das Leben ist voller Piepser. Wecker, Handy, Türöffner, Kassenscanner, rückwärts fahrende Lkws. Alles piept...weiter
Ich bin ja eigentlich keine Freundin der Zahlen. Doch manchmal, da sprechen sie einfach für sich: Laut Caritas gibt es in der 1...weiter
Schnee in Wien: Da freuen sich wohl nur Kinder, Sportartikelketten, Reifenhändler und – dieser Verdacht sei hier einmal ausgesprochen –...weiter
Im Winter kann man die Dunkelheit deutlich sehen. Besonders, wenn man nachts allein auf dem Rad sitzt und an Orte gelangt...weiter
Dieser Blog ist absolut inhaltsleer. Ich habe nichts zu sagen. Absolut gar nichts. Und da sich dieser Blog "Wien-Blog" nennt...weiter
Sind Menschen, die am 21. Dezember einen Weihnachtsbaum kaufen, unverbesserliche Optimisten, absolute Vollidioten, fatalistische Defätisten...weiter
Eine Meinung hat man. Ja, eine Meinung hat man zu haben. Wo man hinkommt, hat jemand eine Meinung. Die meisten Menschen haben sogar mehrere...weiter
Die verzweifelt auf Parkplatzsuche herumkreisenden Autos sind ein klares Signal: Die Zeit der Christkindlmärkte und Punschstände ist gekommen...weiter
Raketen, Sirenen, Luftschutzbunker: Urlaubserinnerungen der anderen Art bringt dieser Tage eine Reise nach Israel...weiter
"Wo sind denn all die Autos hin", fragt eine ältere Dame den neben ihr sitzenden Herren in der U-Bahn. "Na weg, das waren alle Pendler"...weiter
Kongresse, das weiß in Wien seit dem Biedermeier jedes Kind, machen vor allem eines: Sie tanzen. Vom Herbst 1814 bis in den Frühsommer 1815 vereinigte...weiter