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Update: 01.06.2012, 16:20 Uhr
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Wien-Blog

Ein kleiner Wiener Walzer


Von Gerald Jatzek

Federico García Lorca und Leonard Cohen: Zwei Dichter schaffen ein Lied über Wien... - Public Domain / Rama - Creative Commons

Federico García Lorca und Leonard Cohen: Zwei Dichter schaffen ein Lied über Wien... Public Domain / Rama - Creative Commons

Vor 100 Jahren entwickelte sich die österreichische Literatur im Fünfeck Wien-Prag-Budapest-Lemberg-Berlin. Heute gehören ebenso selbstverständlich Autorinnen und Autoren aus Russland, vom Balkan, aus der Türkei oder dem arabischen Raum zur literarischen Szene der Stadt, beispielsweise Vladimir Vertlib, Julya Rabinowich, Alma Hadžibeganovic oder Serafettin Yildiz.

Information

En Viena hay diez muchachas,
un hombro donde solloza la muerte
y un bosque de palomas disecadas.
Hay un fragmento de la mañana
en el museo de la escarcha.
Hay un salón con mil ventanas...

Doch schon vor den gestalteten Texten, vor Schreibstilen, Erzählhaltungen und Metaphern entsteht Neues. Zu den bekannten Sagen vom Lieben Augustin und vom Basilisken kommen neue Mythen und urbane Lebenden. So kursiert unter den Wiener Latinos die Vorstellung, dass die Melancholie der Stadt jeden Gast unweigerlich in ihren Bann zieht. Wer Wien nicht innerhalb von drei Jahren verlässt, heißt es, wird sein Leben hier verbringen.

Woher die Idee stammt, lässt sich nicht feststellen. Das Gefühl dahinter hat allerdings der spanische Poet Federico García Lorca schon vor vielen Jahren festgehalten. Kleiner Wiener Walzer (Pequeño Vals Vienés) heißt das Gedicht, in dem Bettler auf dem Dach hocken, in dem Tränen Girlanden formen und der Tod  eine Schulter findet, an der er sich ausweint.

Dass das Gedicht heute weit über die Leserschaft Lorcas hinaus bekannt ist, verdankt es dem Kanadier Leonard Cohen, der es als Take This Waltz ins Englische übertrug und vertonte.

Man sieht, die Literatur kommt nicht nur auf verschlungenen Wegen nach Wien, Wien kommt auch über zahlreiche Umwege in die Literatur.

Gerade weil das so ist, sollte man beim Kürzel Ha Tse stets an H. C. Artmann denken.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-25 22:31:03
Letzte Änderung am 2012-06-01 16:20:23


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