Während im Prater die Bäume blühen, die ersten handfesten Ausschreitungen um Grillplätze auf der Donauinsel stattfinden und neue Parkpickerlbezirke einmal kein Thema sind - es ist ja Wochenende - da knie ich auf allen Vieren in der feuchten Erde und erfreue mich an meinem Stück Selbstversorgergarten.
Die Modeworte Guerilla Gardening und Community Gardening haben seit geraumer Zeit auch in Wien Einzug gehalten. Leere Flächen in der Stadt werden von Privaten begrünt - ob mit Erlaubnis oder sogar Förderung der Stadtverwaltung oder auch "wild". In immer mehr Bezirken finden sich mittlerweile entsprechende Flächen für Städter, die gerne einmal ihren grünen Daumen ausleben wollen.
Pflanzen oder Gemüse?
In den Gemeinschaftsgärten in den Bezirken geht es vor allem um eine Begrünung der Stadt. Im Mittelpunkt stehen also Blumen, schattenspendende Gehölzer und Sitzgelegenheiten zur Entspannung. Auf der Suche nach einer geeigneten Freifläche und einer intensiven Beschäftigung mit der Thematik stolperte ich auch über die Möglichkeit, einen sogenannten Selbstversorgergärten zu nutzen. Nach einer kurzen Nachdenkphase war klar, die Gelegenheit muss beim Schopf gepackt werden. Gesagt getan - für 120 Euro pro Saison bin ich nun stolzer Besitzer einer eigenen Parzelle.
Seit Ende Mai darf ich mein Stück Land nun nach eigenem Gutdünken bewirtschaften. Der Verpächter hat sich bereits um die Abgrenzung der Parzellen gekümmert und einiges an Gemüse ausgesät - Buschbohnen, Zwiebel, Paradeiser, Rote Rüben und vieles Andere mehr, wächst vor sich hin. Ich knie dazwischen entferne Beikraut und plane die weiteren Schritte.
Ich und meine Nachbarn
Ein Selbstversorgergarten ist ein Spiegelbild des urbanen Lebens. Alle Bezirke Wiens und deren Vorzeigebewohner treffen sich auf einem Feld und gärtnern in trauter Eintracht nebeneinander. Zwischen den Bobos des 6. und den Alternativen des 16. umgeben von Gemeindebaubewohnern des 10. und den Wienern mit Migrationshintergrund aus dem 15. dazwischen einige Familien aus dem 8. und 9. Bezirk und alle auf allen Vieren beim Unkrautzupfen in Siebenhirten.
Die ersten gutgemeinten Gärtnertipps habe ich gleich nach meiner ersten Minute vor Ort bekommen. Ebenso eine Rüge weil die Gießkanne, die ich nutzte, nicht zum öffentlichen Allgemeingut gehörte, sondern meinem Nachbarn zwei Parzellen weiter rechts.
Ein paar Stunden später sind die wesentlichen Details ausgetauscht, ich habe erfahren wie in den letzten Jahren auf meiner Parzelle gearbeitet wurde, wie die allgemeinen Verhaltensregeln sind und welche Gemüsesorten besonders gut miteinander harmonieren. Die Einen haben kunstvolle Gebilde - die mir als Bohnenzelte vorgestellt werden - errichtet, andere haben die Saatreihen mit Holzstäbchen beschriftet, wieder andere mit Tonscherben. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Zu Beginn hatte ich durchaus Bedenken, ob die Nähe nicht etwas Beschränkendes, Schreckliches gar Bedrückendes haben würde. Doch nach einigen Tagen Gartenarbeit sind die Zweifel beseitigt und die gemeinsame Anstrengung verbindet. Das Beikraut scheint einigermaßen unter Kontrolle, bewässert wurde auch und nun heißt es abwarten. Schön, so eine grüne Stadt.
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