
Es ist verlottert, alt und schäbig. Die Tapeten modrig, die Rückenlehnen abgenutzt, die Beleuchtung dumpf. Bestimmt kein Ort für ein erstes Rendez-Vous, sofern man nicht Unanständiges im Sinn hat. Vermutlich auch kein Ort für einen Besuch mit Gästen, sofern man sie nicht loswerden will. Dafür aber hat das Gloriette Kino etwas, von dem Cine-, Multi-, und andere Komplexe nur träumen können: Charme. Man könnte auch auf gut Deutsch sagen: Zauber.
Es sind klare Verhältnisse, auf die man sich beim Betreten des fast 100 Jahre alten Kinos einlässt. Eine sporadische Theke, die Karten- und Getränkeverkauf dient, ein paar runde Zwei-Personen-Tischchen und ein Gang, der bald hinter einer Ecke verschwindet. "Eine Kinokarte, ein Packerl Sportgummis. Und ein Krügerl, bitte" - Alltag für die Verkäuferin und Kellnerin in ihrem Ticketoffice ohne Security und Warteschlangen. Verwundert aufblicken lässt sie diese Bestellung jedenfalls nicht.
Macht nichts, das Krügerl genieße ich ohnehin nicht an der Theke, sondern bevorzugt an einem der klassischen Tischchen - in bester Stehcafé-Tradition. Nur eben sitzend und auf den Einlass in den Kinosaal wartend. Öffnen sich dann endlich die Pforten, setzt augenblicklich der große Ansturm ein. Ganz klar: Bei freier Platzwahl will der beste Platz sofort erbeutet werden. Ein menschlicher Jagdinstinkt, der selbst dann greift, wenn das Publikum nur vier Leute zählt.
Erst nach Absolvierung dieser Übung darf man sich zurücklehnen und im Sessel versinken, dessen wahren Zustand die trüben Lichtverhältnisse geheim halten. Die Tür wird geschlossen, der Saal wird zum Zimmer, der Film läuft an. Und der Zauber kann beginnen.
Erklären kann ich es nicht. Mit der zweifellos tollen Auswahl der gezeigten Filme hat es jedenfalls nicht (nur) zu tun. Aber jeder einzelne in diesem Kino gesehene Streifen hat sich eingeprägt, hat berührt, schockiert, amüsiert, empört, hat mich für die Dauer des Films in eine andere Welt verbannt. Ich erinnere mich nicht, in diesem Kino jemals auf die Handy-Uhr geblickt zu haben - eine Unart, die mich in modernen Kinos trotz 3D, Komfortsitzen und sagenhaften Surround-Effekten verfolgt.
Und doch verlasse ich das Kino meistens traurig. Denn die Reisegefährten in die fremde Filmwelt und zurück sind meist an einer Hand abzuzählen. Während der Verkehrslärm von Johnstraße und Linzer Straße beim Aufwachen in der realen Welt behilflich sind, keimt der übliche Zweifel auf. Die Sorge, beim nächsten Besuch endgültig vor verschlossenen Türen zu stehen.
Den edelsten Geigenklang, den Wien am Donnerstagabend zu bieten hatte, erheischten vermutlich die Ohren im Wiener Konzerthaus...weiter
Der Sommer ist da, auch wenn das Wochenende eher eine Abkühlung verspricht, so zeigte sich doch, dass der Winter endlich vorbei ist...weiter
Infrastruktur zählt, dass merkt jeder Stadtbewohner spätestens dann, wenn in seiner nächsten Wohnumgebung unerfreuliche Veränderungen erfolgen...weiter
Längst haben Fahrräder die Autos überholt. Pro Jahr werden rund 400.000 bis 450.000 Drahtesel neu gekauft, ein Drittel mehr als Blechkarossen...weiter
Die Tage sind länger geworden. Nicht, weil sie plötzlich 25 Stunden hätten, sondern weil durch den europaweiten Zeitsprung die Helligkeit nach hinten...weiter
Wer geht schon gerne ins Spital? Ich vermute niemand. Es geht allerdings diesmal nicht um Krankheiten und auch nicht um die oftmals sehr wundersamen...weiter
Piep, piep, piep. Das Leben ist voller Piepser. Wecker, Handy, Türöffner, Kassenscanner, rückwärts fahrende Lkws. Alles piept...weiter
Ich bin ja eigentlich keine Freundin der Zahlen. Doch manchmal, da sprechen sie einfach für sich: Laut Caritas gibt es in der 1...weiter
Schnee in Wien: Da freuen sich wohl nur Kinder, Sportartikelketten, Reifenhändler und – dieser Verdacht sei hier einmal ausgesprochen –...weiter
Im Winter kann man die Dunkelheit deutlich sehen. Besonders, wenn man nachts allein auf dem Rad sitzt und an Orte gelangt...weiter
Dieser Blog ist absolut inhaltsleer. Ich habe nichts zu sagen. Absolut gar nichts. Und da sich dieser Blog "Wien-Blog" nennt...weiter
Sind Menschen, die am 21. Dezember einen Weihnachtsbaum kaufen, unverbesserliche Optimisten, absolute Vollidioten, fatalistische Defätisten...weiter
Eine Meinung hat man. Ja, eine Meinung hat man zu haben. Wo man hinkommt, hat jemand eine Meinung. Die meisten Menschen haben sogar mehrere...weiter
Die verzweifelt auf Parkplatzsuche herumkreisenden Autos sind ein klares Signal: Die Zeit der Christkindlmärkte und Punschstände ist gekommen...weiter
Raketen, Sirenen, Luftschutzbunker: Urlaubserinnerungen der anderen Art bringt dieser Tage eine Reise nach Israel...weiter
"Wo sind denn all die Autos hin", fragt eine ältere Dame den neben ihr sitzenden Herren in der U-Bahn. "Na weg, das waren alle Pendler"...weiter
Kongresse, das weiß in Wien seit dem Biedermeier jedes Kind, machen vor allem eines: Sie tanzen. Vom Herbst 1814 bis in den Frühsommer 1815 vereinigte...weiter