Wien. Im Wiener Stadionbad wird den Besuchern derzeit ein skurriles Bild geboten - oder auch nicht. Denn für Männer bleibt eigentlich alles beim Alten, nur Frauen sollten ihre Sonnenbrillen lieber nicht abnehmen, wenn sie die Garderoben betreten.

Aber von Anfang an: Am Weg von der Kassa zu den Schwimmbecken und Liegewiesen geht man im Stadionbad einen Weg entlang, und wer sich vorher einen Kästchenschlüssel holt, zweigt dann noch kurz zu den Umkleidekabinen ab (Männer links, Frauen rechts). Und während der männliche Besucher dort seine Habseligkeiten nach wie vor in hölzernen, etwas modrig riechenden Gardarobenkästchen zurück lässt, bietet sich der Besucherin seit dieser Saison ein ganz anderes Bild: Ihre Wertgegenstände sollen in quietschgrünen Kästchen verstaut werden, altes Holz und Miachtln ist Geschichte.

Natürlich, sie waren alt und heruntergekommen. Doch es macht schon ein wenig wehmütig, dass die neuen Kästchen nun nicht mehr an die lange Tradition des Schwimmbads (Gründungsjahr 1931) erinnern - schließlich hätte man sie ja auch renovieren können. Ganz zu schweigen davon, dass die neuen Kästchen ein ästhetischer Fehlgriff sind, der an den nicht weit entfernt gelegenen Prater-Vorplatz erinnert, der wiederrum Assoziationen an Disney Land hervorruft.

Und während man sich fragt, wo der Denkmalschutz ist, wenn man ihn braucht (oder worin besteht noch einmal der Charme des ORF-Zentrums am Küniglberg?) bleiben drei Wünsche offen: Das Kasperltheater bitte nicht gegen Computerspiel-Konsolen austauschen, ja keine Wellness-Becken statt den legendären Sprühduschen zum Durchlaufen, und Pommes nicht durch Functional Food ersetzen.
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