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Update: 30.07.2012, 15:42 Uhr
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Wien-Blog

Wiener Skizzen: Bettler, Parkplätze und Pianisten


Von Gerald Jatzek

"Zu ebener Erde und erster Stock" - Politikaner - Creative Commons

"Zu ebener Erde und erster Stock" Politikaner - Creative Commons

Zurück vom Urlaub stellt man fest: Wien hat ein drittes Terminal, das die langen Wege auf dem Flughafen zu Wanderstrecken ausdehnt. Allfällige Transportbänder sind einspurig und bewegen sich den Ankommenden entgegen. Vor dem Ausgang beginnt das Europa der Freizügigkeit, weshalb dort ausschließlich Schwechater Taxis stehen dürfen. Die Frage, welcher Champagner im vorgeschlagenen Fahrpreis von 70 Euro enthalten sei, bleibt unbeantwortet.

*
Manfred Juraczka, Chef der Wiener ÖVP, fühlt sich von Radlern und Fußgängern verfolgt, für deren Gehsteige und Radwege die armen Autofahrer zahlen müssten. Vielleicht kann ihm jemand erklären, dass Trottoirs schon deswegen Sinn machen, weil es zwar Autokinos, keineswegs aber Autobäckereien und Autosupermärkte gibt. Und man muss wohl bekennender Autoerotiker sein, um ein Wiener Drive-In-Kaffeehaus zu fordern.
*
Laut dem Wiener Garagengesetz ist für jede neu errichtete Wohnung ein Stellplatz zu schaffen. Kann dieser nicht errichtet werden, so  ist eine Ausgleichsabgabe von rund  8.700 Euro fällig. Jeder Wiener Wohnungseigner der keinen Stellplatz benötigt, weil er gar kein Kraftfahrzeug besitzt, sponsert damit den Individualverkehr.
Wenn ich dann zum xten Mal die Juraczkasche Melkkuhjeremiade höre, werde ich doch ein bisserl grantig.
*
Vor dem Café Wortner steht ein Klavier. Was der Pianist an bargemäßen Melodien produziert, konterkarieren die Gäste mit den Klingeltönen ihrer Mobiltelefone. Da spielt er den Pippi-Langstrumpf-Song. Großer Applaus. Lacher. Künstler und Publikum haben ihre infantilen Bedürfnisse befriedigt.  Und ich frage mich, weshalb es der Wickie-Slime-Generation nicht reicht, ihren Enkeln zu erzählen, dass damals alles besser war.
*
Beim Stadtpark sitzt ein Bettler.
"Geben Sie dem nichts", sagt ein Herr so nachdrücklich, als wäre er mein Finanzberater. "Das ist doch ein typischer Betteltourist. Der soll in Rumänien betteln, nicht bei uns." Und schon ist er eine Staubwolke mit Aktentasche.
Schade. Ich hätte ihn gern gefragt, weshalb er im Urlaub ans Meer fährt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-25 16:45:30
Letzte Änderung am 2012-07-30 15:42:51


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