• vom 27.07.2012, 06:43 Uhr

Blogs

Update: 30.07.2012, 15:42 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (13)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Wien-Blog

Wiener Skizzen: Bettler, Parkplätze und Pianisten


Von Gerald Jatzek

"Zu ebener Erde und erster Stock" - Politikaner - Creative Commons

"Zu ebener Erde und erster Stock" Politikaner - Creative Commons

Zurück vom Urlaub stellt man fest: Wien hat ein drittes Terminal, das die langen Wege auf dem Flughafen zu Wanderstrecken ausdehnt. Allfällige Transportbänder sind einspurig und bewegen sich den Ankommenden entgegen. Vor dem Ausgang beginnt das Europa der Freizügigkeit, weshalb dort ausschließlich Schwechater Taxis stehen dürfen. Die Frage, welcher Champagner im vorgeschlagenen Fahrpreis von 70 Euro enthalten sei, bleibt unbeantwortet.

*
Manfred Juraczka, Chef der Wiener ÖVP, fühlt sich von Radlern und Fußgängern verfolgt, für deren Gehsteige und Radwege die armen Autofahrer zahlen müssten. Vielleicht kann ihm jemand erklären, dass Trottoirs schon deswegen Sinn machen, weil es zwar Autokinos, keineswegs aber Autobäckereien und Autosupermärkte gibt. Und man muss wohl bekennender Autoerotiker sein, um ein Wiener Drive-In-Kaffeehaus zu fordern.
*
Laut dem Wiener Garagengesetz ist für jede neu errichtete Wohnung ein Stellplatz zu schaffen. Kann dieser nicht errichtet werden, so  ist eine Ausgleichsabgabe von rund  8.700 Euro fällig. Jeder Wiener Wohnungseigner der keinen Stellplatz benötigt, weil er gar kein Kraftfahrzeug besitzt, sponsert damit den Individualverkehr.
Wenn ich dann zum xten Mal die Juraczkasche Melkkuhjeremiade höre, werde ich doch ein bisserl grantig.
*
Vor dem Café Wortner steht ein Klavier. Was der Pianist an bargemäßen Melodien produziert, konterkarieren die Gäste mit den Klingeltönen ihrer Mobiltelefone. Da spielt er den Pippi-Langstrumpf-Song. Großer Applaus. Lacher. Künstler und Publikum haben ihre infantilen Bedürfnisse befriedigt.  Und ich frage mich, weshalb es der Wickie-Slime-Generation nicht reicht, ihren Enkeln zu erzählen, dass damals alles besser war.
*
Beim Stadtpark sitzt ein Bettler.
"Geben Sie dem nichts", sagt ein Herr so nachdrücklich, als wäre er mein Finanzberater. "Das ist doch ein typischer Betteltourist. Der soll in Rumänien betteln, nicht bei uns." Und schon ist er eine Staubwolke mit Aktentasche.
Schade. Ich hätte ihn gern gefragt, weshalb er im Urlaub ans Meer fährt.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-25 16:45:30
Letzte Änderung am 2012-07-30 15:42:51


Beliebte Inhalte



Barbara Eden als "bezaubernde Jeannie" mit Elton John (links) und Cornelius Obonya am Rathausplatz. - APAweb / EPA / Georg Hochmuth
  • Stars im Dienste der AIDS-Hilfe: Bill Clinton, Elton John, Melanie Griffith und Hilary Swank zu Besuch in Wien.
  • weiter

Auf Sexualverhalten bezogene Aidsbekämpfung macht wenig Sinn, so Hunsmann. - Apaweb/Pfarrhofer
  • HIV-Epidemien in Afrika gehen aus schlechtem Gesundheitszustand der Bevölkerungen hervor.
  • weiter

Ob im eigenen Wohnzimmer, in der Fabrikhalle oder im Gasthauskeller: Kunst ist überall. Puiu
  • Der 17. Bezirk emanzipiert sich von seinem hippen Nachbarn Ottakring.
  • weiter

"Totally sexy" lautet hier das Motto. Und das um jeden Preis. - Luiza Puiu
  • Label balanciert auf dem schmalen Grat zwischen sexy und ordinär.
  • weiter

Eva Moser aus Graz bei der Eröffnung. - Johann Werfring
  • Internationales Damenschachturnier kommt nun in die heiße Phase.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Der Radfahrverkehr soll gefördert werden. - apa/Helmut Fohringer
  • Hitzige Debatte im Gemeinderat - Öffnung von Einbahnen für Radfahrer.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter




Werbung




Stammgast beim Life Ball: Bill Clinton.

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung