
Eines gleich vorweg: Dieser Sommer war sehr angenehm. Es war heiß, so soll es im Sommer ja auch sein. Doch in den Nächten kühlte es ab. Das war erfreulich. Ja, es hat auch geregnet. Mehr als in manch anderen Sommern, aber ich empfand dies als durchaus angenehm. Wer natürlich gerade Urlaub hatte, oder einem feinen Grillabend im Garten frönen wollte, wird dies anders sehen.
Mein sommerliches Highlight in der Stadt war der Freitags-Einkauf in einem großen Supermarkt in der Mariahilferstraße. Nicht dass es ein besonders großer, gar günstiger oder von einem unglaublich freundlichem Personal oder Miteinkäufern begleiteter Einkauf war. Nein, es war sogar ein sehr ruhiger Einkauf. Ganz ruhig um genau zu sein.
Es war einer dieser wirklich heißen Tage in diesem Sommer. Der Besuch eines Einkaufstempels erschien ob der Klimaanlage eine gute Idee und der Wochenendeinkauf musste ohnehin erledigt werden, wieso also nicht einmal früher als geplant. Zu Beginn war es ein Einkauf wie tausende andere auch. In Keller des Einkaufscenters zwischen den Theken, die Essen verkauften und den Schnittblumen vorbei durch die alarmgesicherten Eingangsständer – wie heißen diese Dinger denn eigentlich wirklich? Einkaufsschleusen? Sicherheitsdurchgänge? Keine Ahnung. Egal. Es hat auf jeden Fall gleich wieder mal geklingelt und das rote Licht geleuchtet. Aber interessiert hat es auch niemanden, also nichts wie in den Supermarkt.
An heißen Tagen scheint das Schlendern durch die klimatisierten Geschäfte in Städten nicht nur langsamer zu sein, als sonst, sondern auch eine Art Hobby zu sein. Wer nicht schwimmen geht, geht nach der Arbeit oder auch in der Mittagspause einfach eine Runde durch die kühlen Geschäfte um dann wieder im mehr oder weniger warmen Büro zu landen.
Eingedenk dieser Tradition habe ich mir ebenfalls mehr Zeit als sonst gelassen. Und den Einkauf tatsächlich sehr entspannt genossen. Doch dann kurz vor der Kasse wurde dieser Einkauf etwas Besonderes. Ich schob en Wagen gerade vorbei an der Fleischtheke als es mit einem Schlag – vollkommen ohne Ankündigung und absolut lautlos – ganz still wurde.
Absolute Stille. Einige Sekunden lang. Mitten im Sommer, mitten in der Stadt. Diese paar Sekunden Ruhe – unvergesslich. Keine Klimaanlagenlüfter, kein Licht, kein Summen der Maschinen, nichts. Mir war gar nicht mehr bewusst, wie laut es eigentlich dauernd ist. Ein Summen hier, ein Rauschen dort. Nicht nur die Menschen, auch die Maschinen in der Stadt. Ja, sogar die Gebäude machen Lärm. Im Sommer die Klimaanlagen, im Winter die Heizungen. Aber hier und jetzt war es still. Einige Sekunden sind alle Einkäufer und auch das Personal einfach wie erstarrt ruhig gestanden. Es schien als würde ein Teil fragen, was hier passiert, während der andere noch warten, ob Panik angebracht sei und der dritte Teil die Stille genoss.
Stromausfälle prägten diesen Sommer die Stadt. Sehr ärgerlich, wenn es einen betraf, alleine die auftauenden Tiefkühler, aber in diesem Moment ein wohl einzigartiges Erlebnis. Die paar Sekunden der Stille in der Hitze der Großstadt waren definitiv eine Erfahrung. Wer weiß, was noch kommen wird? In den nächsten Sommern. War es heuer nur ein Zufall? Sind an die 40 Grad wirklich zu viel für eine Stadt wie Wien? Aufplatzender Asphalt, Stromausfälle und Schäden an den öffentlichen Verkehrsmitteln? Wie ist das dann eigentlich an anderen Orten der Welt? Und eigentlich fand ich diesen Sommer nur streckenweise sehr heiß. Wie wird das wohl werden, wenn es jedes Jahr wärmer wird?
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