• vom 14.09.2012, 22:32 Uhr

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Wien wird südländisch


Von Francesco Campagner

In friedlicher Eintracht: Fahrräder und Mofas.

In friedlicher Eintracht: Fahrräder und Mofas.Campagner / Wiener Zeitung In friedlicher Eintracht: Fahrräder und Mofas.Campagner / Wiener Zeitung

Wien verändert sich. Das fällt auch denjenigen auf, die sonst nicht einmal den neuen Haarschnitt der Partnerin bemerken. Der Steffl steht zwar noch immer unverändert dort, wo er seit Jahrhunderten gestanden ist, doch viele andere Dinge haben sich gewandelt. Die Karlsplatz-Passage etwa, die von einer aufstrebenden Einkaufsmeile Ende der 70er Jahre zu einem desolaten Ort der Hoffnungslosigkeit wurde, ist jetzt – ja, wie soll man es nennen – zu einem kunstvollen Durchgang mutiert.

Wer die paar Schritte zum Naschmarkt weitergeht, findet eine lebendige Lokal-Szene vor, die durchaus südländischen Charakter besitzt. Ein gewisser Hang zum Laissez-faire ist auch im Verhalten der Menschen spürbar. Man sitzt oder steht zusammen, trinkt, isst und genießt das Markt-Flair. Die einkaufenden Menschen bilden dabei genauso wie die angebotenen Waren den richtigen Mix an Authentizität.

Auch in Park-Anlagen verhält man sich deutlich anders. Das schlichte Spazierengehen ist schon längst aus der Mode gekommen. Parks sind mittlerweile auch für echte Wiener zu Erlebnisstätten mutiert. Wer etwa durch den Augarten geht, sieht Familien im Grünen liegen und picknicken, Menschen, die sich mit Yoga oder asiatischer Kampfkunst am Rasen die Zeit vertreiben, und zahlreiche Radfahrer, die das Radfahr-Verbot nicht einmal ignorieren. Die Stimmung ist dabei deutlich fröhlicher und entspannter als in der Vergangenheit.

Und auch im Alltag wird ein wenig origineller mit den Gegebenheiten umgegangen. Die beliebten grünen Radständer etwa, die sich vielerorts befinden, werden nicht nur für Fahrräder, sondern auch für Motorräder benutzt. Rad ist Rad sozusagen. Früher wäre dies nicht so einfach toleriert worden. Wien ist tatsächlich anders geworden.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-14 10:35:09
Letzte Änderung am 2012-09-14 16:38:45


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