
Wien. Wie Sie vielleicht mitverfolgt haben, ist die "Wiener Zeitung" im August umgezogen: Vom Wiedner Gürtel nach St. Marx. Während die Kollegen über die noch ausbaufähige Öffi-Anbindung stöhnen oder der wunderbaren Baustellen-Aussicht auf den entstehenden Südbahnhof nachtrauern, überwiegen doch eindeutig die Vorteile des neuen Standorts:
Ja sicher, zur nächsten U-Bahn, Bim, Busstation oder S-Bahn ist es schon ein Hatscher. Aber kann man sich darüber beschweren? Abgesehen von diesem kleinen Fußmarsch sitzen wir doch sowieso den ganzen Tag vor unseren PCs, mehr Bewegung schadet sicher nicht. Wem Gehen zu fad ist, dem sei einmal mehr das Fahrrad ans Herz gelegt: Zwischen Urania und Prater ist der Donaukanal-Radweg von grünen Bäumen und Sträuchern umsäumt. Man radelt entlang des Wassers, keine lästigen Autofahrer weit und breit. Gut, von der Innenstadt bis ans Ziel im 3. Bezirk ist es weiter als zuvor, aber ist gegen ein paar Minuten mehr Frischluft wirklich etwas einzuwenden?
Über die kulinarische Versorgung kann man sich ebenfalls nicht beschweren: Die Landstraße ist gespickt mit Supermärkten (jaja, hier kommt wieder das Fußmarsch-Argument, Entkräftung siehe oben). Das nächstgelegene Lokal ist mit 10-Euro-Mittagsmenü nicht Jedermanns Preisklasse, deshalb pilgert das gewöhnliche Arbeitsvolk in die Kantine von T-Mobile, das hausintern als "Raumschiff" bezeichnet wird. Durchaus Außerirdisch mutet das Wuseln von hunderten hungrigen Mitarbeitern an, in dem sich der orientierungslose WZ-Mitarbeiter anfangs durchaus etwas alien fühlen mag. Vertröstet wird man mit einer Menüauswahl, die geschmacklich und preislich sehr okay ist - und das Essen ist frisch zubereitet, keine Auftauware. Und wer dem shabby Charme des Wirtshauses Puntigamer Hof nachtrauert, dem sei der rustikale Würstelstand Faiko in der Baumgasse ans Herz gelegt.
Doch ein Ort lebt von seinen Menschen: Und vor dem Haus, in dem seit kurzem nicht nur die WZ, sondern auch der Fernsehsender Puls 4 untergebracht sind, trifft man auf Junge und Junggebliebene: Hier wird geraucht, getratscht, man tauscht sich über den Unternehmens-Tellerrand aus. Und nach Redaktionsschluss gibt es High Life mit Fußball-Public-Viewing oder dem Fest "Trachten Krachen" in der Rinderhalle, wo auch das Jahres- und Einzugsfest von Puls 4 stattfand.
Auch der Einwand, es sei etwas makaber, in einem ehemaligen Schlachthof bzw. Siechenhof untergebracht zu sein, kann ich nicht nachvollziehen. Hier ist Stadtentwicklungsgebiet, und wir sind Teil davon. Es ist ein geschichtsträchtiger Teil der Stadt, und wer stört sich schon daran, wenn er zu einem Konzert in die Arena geht? Hier wären wir auch schon beim schlagkräftigsten Argument: Wem Fußball und Trachten (so wie mir) suspekt sind, der geht auf's Feiertags-Bier ins Arena-Beisl - dorthin ist es nur ein Katzensprung.
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