• vom 05.10.2012, 12:53 Uhr

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Update: 05.10.2012, 12:54 Uhr
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Wien-Blog

Tagebuch einer Pendlerin


Von Ina Weber

"Wo sind denn all die Autos hin", fragt eine ältere Dame den neben ihr sitzenden Herren in der U-Bahn. "Na weg, das waren alle Pendler". "Hm" – Die beiden Pensionisten und U-Bahn-Fahrer trifft es nicht, dass seit Montag viele nicht mehr mit dem Auto zu ihrer Arbeit fahren können.

Am Parkpickerl scheiden sich die Geister: Während in einzelnen Bezirken die Parkplatznot entschärft wird, ergeben sich gerade für Pendler Schwierigkeiten.

Am Parkpickerl scheiden sich die Geister: Während in einzelnen Bezirken die Parkplatznot entschärft wird, ergeben sich gerade für Pendler Schwierigkeiten.APAweb/Barbara Gindl Am Parkpickerl scheiden sich die Geister: Während in einzelnen Bezirken die Parkplatznot entschärft wird, ergeben sich gerade für Pendler Schwierigkeiten.APAweb/Barbara Gindl

Noch nie lagen Chaos und Ruhe so knapp beieinander wie dieser Tage in Wien.

Keine Frage, schnell mal in ein Geschäft hüpfen, ist jetzt wieder als Wiener möglich, mit dem Auto, versteht sich. Es gibt genügend Parkplätze vor dem Kindergarten im 14. Bezirk. Das Kind hinbringen oder abholen war noch nie so einfach, mit dem Auto, versteht sich. Herrscht in den neuen Parkpickerl-Teil-Bezirken, dem 12., 14., 15., 16., 17. Bezirk, Sommerfeeling, weht in den benachbarten Noch-Nicht-Parkpickerl-Bezirken ein rauer Wind.

Wo sich die Autos in ihrer Not fast übereinanderstapeln, ziehen Pendler immer größere Kreise. Für eine Pendlerin sieht ihr Arbeitsweg nun folgendermaßen aus: Montag: Die U6 kann man vergessen, bei der Station Perfektastraße nur nach langem Suchen einen Parkplatz gefunden. Dienstag: Die U3-Station P+R ist voll. Ich suche weiter. (. . .)

Ich sitze jetzt im Richard-Bus und stehe mit dem Auto bei den Steinhofgründen. Schon seit einer Stunde und 20 Minuten unterwegs . . . Mittwoch: Heute Schnellbahn Speising. Die S-Bahn fährt einmal in der Stunde. Hab sie knapp verpasst, zurück zum Auto. Donnerstag: Tag der Entschleunigung. Bin wieder nach Speising, diesmal mit Fahrplan. Es mutet nostalgisch an. Die Frauen in langen Kleidern mit ihren Spitzen verzierten weißen Schirmen, die sie vor der Sonne schützen.

Kinderwagen mit großen Reifen. Die Schienen etwas verrostet, aber doch ein wenig im Morgenlicht schimmernd. Dort und da kämpft sich eine Pflanze durch die Enge der Steine und zeigt mit ihrer grünen Pracht, den puren Überlebenswillen. Wenn nicht eine Handwerkermarke mit ihrer großen Reklame imposant in den Himmel ragen würde, würde die nostalgische Träumerei seinen weiteren Lauf nehmen. Es vergeht die Zeit. Würde ich nicht genau wissen, dass Wien eine Hauptstadt ist, dann hätte ich das Gefühl, im 19. Jahrhundert in einem kleinen Vorort zu sein, wo die Uhren noch anders ticken.

Die Pendlerin war dann eine Stunde später im Büro. Stress hatte sie keinen mehr, genauso wenig wie die zwei Pensionisten in der U-Bahn.




Schlagwörter

Parkpickerl, Wien-Blog

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-04 18:18:27
Letzte Änderung am 2012-10-05 12:54:12


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