Wien. Elektrofahrräder punkten mit einem angenehmen Fahrerlebnis. In Sachen Sicherheit hapert es bei vielen Modellen aber. "Schlechte Bremsen und instabile Rahmen waren bei vielen Testbikes ein echtes Problem", berichtete ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl über die Ergebnisse diverser Tests von Konsumenschutz-Organisationen. "Die Spitze des Eisbergs war ein Rahmenbruch im Dauertest."
"Mit Pedelecs fährt man bis zu 25 km/h schnell. Das birgt natürlich auch Gefahren", warnte Kerbl. "Zum einen muss der Fahrer sehr konzentriert sein, zum anderen sind die Fahrrad-Komponenten höheren Belastungen ausgesetzt." Und genau dort zeigten einige der zwölf Testkandidaten große Schwächen. Untersucht wurden Komfort- und Alu-Trekkingräder.
Es gab sogar ein "Nicht genügend": Das Modell Pegasus E-Tour hielt der Dauerbelastung nicht stand. Nach 9.740 Kilometern war der Test beendet - mit einem Rahmenbruch. "Sitzposition, Schaltung und die Antriebsstärke des Motors wären durchaus positiv gewesen", merkte Kerbl an. Beim Pedelec (Pedal-Electric-Vehicle, Anm.) von Ruhrwerk (28" E-Bike) beanstandeten die Tester vor allem die schlechten Bremsen. Außerdem wurden Schadstoffe in den Griffen gefunden. Der Anbieter habe umgehende Nachbesserungen angekündigt.
"Bremst nur ausreichend" lautete das Urteil über die Modelle von KTM (Macina Dual), Kettler (Twin Front NX8) und Giant (Twist Esprit Power). Ein "Befriedigend" erreichten in der Gruppe der Komforträder die Pedelecs von Kalkhoff (Pro Connect C8) und Flyer (C8 Premium), bei den Trekkingrädern die Modelle von Winora (F2) und Prophete (Alu-Rex).
"Die mit 'Gut' bewerteten Pedelecs zeigten in keiner Kategorie größere Schwächen", sagte Kerbl: Die Komforträder Vitality Elite von Kreidler und das Leeds HS von Raleigh sowie das Trekkingrad Diamant Zouma Sport+ verfügen über effektive vollhydraulische Bremsen. Ein "Sehr gut" gab es nicht: Sowohl bei Reichweiten und Ladeakkuzeiten als auch in der Kategorie Transportmöglichkeit und beim Gewicht gebe es Aufholbedarf. "Es reicht nicht aus, einen Elektromotor auf gängige Fahrräder zu montieren", monierte Kerbl.
Während ein normales Stadtfahrrad im EU-Durchschnitt rund 520 Euro kostet, liegt der Preis eines Pedelec bei durchschnittlich 1.685 Euro, berichtet das Magazin "Konsument", das sich ebenfalls an der Untersuchung beteiligte. Im Test reichte die Preisspanne von 800 bis 2.700 Euro. Teuer seien auch die Zweit- oder Ersatzakkus, die mit 400 bis 800 Euro zu Buche schlagen. Sie werden nach etwa 500 bis 1.000 Entladungen fällig, was einer Fahrleistung von 30.000 bis 50.000 Kilometern entspricht.
Die Akkus der getesteten Räder benötigten etwas mehr als zwei bis zu neun Stunden zum Aufladen. Im Betrieb brachten sie es dann auf eine durchschnittliche Reichweite von 51 Kilometern. Allerdings mit großen Unterschieden: Während bei einem Modell schon nach rund 23 Kilometern der Saft ausging, kam ein anderes auf rund 75 Kilometer.