• vom 14.10.2011, 16:59 Uhr

Wien

Update: 23.10.2011, 09:33 Uhr
  • Artikel
  • Video
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Reportage: Rad-Boten übertreten Verkehrsregeln, singen Geburtstagsständchen und entscheiden gemeinsam

Ungebremste Rad-Anarchisten


Von Bettina Figl

  • Hermes ist Wiens kleinster und wohl unkonventionellster Fahrradkurierdienst.

Die Hermes-Boten Savini, Mex und Therese (v.l.n.r.) vor ihrer Zentrale im 2. Bezirk.

Die Hermes-Boten Savini, Mex und Therese (v.l.n.r.) vor ihrer Zentrale im 2. Bezirk.© FLORIAN BIBER / FLORIAN BIBER Die Hermes-Boten Savini, Mex und Therese (v.l.n.r.) vor ihrer Zentrale im 2. Bezirk.© FLORIAN BIBER / FLORIAN BIBER

Wien. Fahrradbotin Therese schlängelt sich auf ihrem blitzblauen Rennrad an Autokolonnen vorbei, geht in marmorverfliesten Bürogebäuden ein und aus und fährt mit vollem Karacho über den Karlsplatz. "Rote Ampeln zu überfahren gehört zum Job", sagt die 24-Jährige selbstbewusst. Für den Fahrradbotendienst Hermes - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Paketdienst - arbeiten rund zwanzig Boten, viele in ihren 20ern, andere sind über 40 Jahre alt. Und zur Hälfte sind es Frauen, die in die Pedale treten - das ist unüblich in der männerdominierten Branche.

Werbung

Kein Chef, Frauenquoten, faire Arbeitsbedingungen
Hermes beschäftigt seit der Gründung 1993 ebenso viele Frauen wie Männer, denn "in einem gemischten Team arbeitet es sich angenehmer", erklärt Radkurier Pavo, der seit 13 Jahren für Hermes radelt. Frauen seien bevorzugt aufgenommen worden, "auch wenn sie auf den ersten Blick nicht die gleichen Qualifikationen hatten". Positive Diskriminierung? Die Qualifikationsanforderungen sind ohnehin nicht allzu groß: Für den Job müsse man zuverlässig sein und Karten lesen können - der Rest komme mit der Routine, nach der Eingewöhnung seien Frauen und Männer gleich auf. Therese - selbst eine "Quotenfrau" - sagt: Obwohl die körperlichen Voraussetzungen bei Männern und Frauen oft unterschiedlich seien, "der Kurierdienst ist kein Leistungssport".

Fahrradbote

Die Hermes-Zentrale liegt in der Zirkusgasse im zweiten Bezirk, zwischen zerschlissenen Ledersofas und mit Stickern übersäten Wänden sitzt der Disponent und koordiniert die Aufträge. Er ist in ständigem Kontakt mit den Boten, das Handy hat das Funkgerät längst abgelöst. Zur Grundausrüstung gehören überdies Umhängetaschen, in denen versiegelte Liebesbriefe, vergessene Jausenbrote und verlorene Zahngebisse transportiert werden. Während Geschichten von abgetrennten Fingern und toten Tieren die Runde machen, hat auch der ganz normale Alltag Skurriles zu bieten: An diesem Vormittag bringt Therese hippen Jungeltern frisch zubereitetes Ayurveda-Essen in eigens dafür abgeholtem Tupper-Geschirr, dann überrascht sie eine Empfangsdame - "Die sind wirklich für mich?" - mit Blumen.

Während Politik-Absolventin Therese nach einem Thema für ihre Doktorarbeit sucht, beliefert sie also Bürgermeister Michael Häupl und Ex-Minister Martin Bartenstein mit Briefchen und sagt: "Es ist schon lustig, wenn man nur als Dienstpersonal wahrgenommen wird." Ursprünglich hat sie bei Hermes angeheuert, um "schnelles Geld" für ihre Venezuela-Reise zu verdienen. Doch auch fünf Jahre später radelt sie an vier Tagen pro Woche durch Wien - "aus Mangel an Perspektiven" - und weil es Spaß macht.

Fahrradbote


Mit den Augen einer Fahrradbotin durch Wien

zurück zum Artikel


Mit den Augen einer Fahrradbotin durch Wien



Schlagwörter

Fahrradkurier, Botendienst, Hermes, Rad

2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-10-14 16:44:12
Letzte Änderung am 2011-10-23 09:33:47


Beliebte Inhalte



Radfahren ist gesund. Auch wenn es nur zehn Minuten pro Tag sind. - dpa
  • Sportwissenschafterin Tietze über Vorzüge und Risiken urbanen Radfahrens.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

In der Operngasse müssen Radfahrer nicht mehr den Radweg benützen. - APAweb / Helmut Fohringer
  • Rathaus prüft weitere Straßen.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter



Werbung





Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

21. 5. 2013: Schwere Zeiten für Fans des glänzenden Metalls: Der Goldpreis erklimmt keine neuen Höhen mehr, das Interesse der Anleger ist merkbar gesunken. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung