"Wiener Zeitung": Sie fahren viel mit dem Rad in der Stadt - hatten Sie schon einmal einen Unfall?
Martin Blum: Gott sei Dank hatte ich seit 1994 nur zwei ungefährliche Ausrutscher.
Was waren Ihre schönsten Erlebnisse auf dem Rad in der Stadt?
Ich fahre öfter mit meinen Kindern mit dem Lastenrad - da erntet man viele positive Emotionen.
Im Vorjahr gab es in Österreich 31Prozent mehr Radfahr-Tote, die meisten davon durch eigenes Fehlverhalten. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
In Wien wurde kein Anstieg an tödlichen Unfällen registriert - es gab einen Toten, was eine vergleichsweise niedrige Zahl ist. Daher ist Radfahren in Wien sicher!
Aber ist es nicht paradox: Die Stadt erstellt gerade einen "Fahrrad-Knigge" - es gibt aber keine Folder, was Radler punkto Sicherheit beachten sollten; E-Bikes werden gefördert, Fahrtrainings nicht...
Die von uns angebotenen Fahrtrainings sind aber vergünstigt, wir wollen Kurse nicht nur Schülern, sondern auch allen anderen Altersgruppen schmackhaft machen.
Es gibt klassische Situationen, wo es böse für Radler ausgehen kann.
Es gibt aber nicht die eine Unfallhäufungsstelle, die man grafisch darstellen könnte. Natürlich sind Kreuzungsbereiche Gefahrenstellen, da gibt es sicher noch einiges zu tun für uns. Aufgehende Autotüren werden auch immer sehr stark als Gefahr hervorgehoben - laut Statistik gibt es aber ganz selten Verletzte.
2015 soll der Radler-Anteil in Wien bei 10 Prozent liegen (derzeit 6). Wenn nicht Treibstoff und die Öffis teurer werden, wird sich das nicht ausgehen. In den vergangenen Jahren gab es nur magere Zuwächse.
Von 2010 auf 2011 gab es einen Anstieg um einen Prozentpunkt, bei den Zählstellen stieg die Frequenz um 20 Prozent. Wenn es jedes Jahr so weitergeht, werden wir es schaffen - wir spüren Rückenwind.
Wo gibt es noch Potenzial?
Bei Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren haben wir den geringsten Anteil am Radverkehr überhaupt, erst bei den Älteren steigt dieser dann wieder. Der internationale Trend aus New York oder London, wonach Radfahren hip ist, schwappt aber zunehmend auch nach Wien über.
Rad statt Vespa oder wie?
Ja, denn auf Werbesujets waren früher junge Leute mit der Vespa abgebildet - heute sind es Menschen auf dem Fahrrad.
In Wien werden Radler gerne als Rowdys gesehen. In Kopenhagen werden Radler, die Regeln missachten, von anderen Radlern gnadenlos zurechtgewiesen. Warum funktioniert das nicht in Wien?
Leider gibt es viel Gegeneinander: Fußgänger gegen Radler, Autofahrer gegen Radler. Wir sollten mehr Miteinander schaffen. Ich gebe oft anderen Vorrang; man lächelt - dann kommt etwas Positives zurück. Die Rad-Rowdys gibt es nicht - wie überall sind es einige Rücksichtlose. Radfahrer missachten nicht öfter Regeln, und wenn, sind es andere Regeln: Bei Autofahrern ist es das Rasen oder Telefonieren am Steuer - das ist sogar ein bisschen anerkannt. Beim Rad ist es das Abbiegen bei Rot oder Fahren auf dem Gehsteig. Daher werden Radler ungerechtfertigt in ein bestimmtes Eck gestellt.
Haben Sie andere schon einmal zurechtgewiesen?
Nein, ich weise eigentlich niemanden zurecht. Wenn ich mich wo ärgere oder Angst habe, bringe ich das aber zum Ausdruck.