
Dänemark ist ein Land der Radfahrer. In Kopenhagen nimmt täglich mehr als jeder dritte Berufspendler das Rad zur Arbeit. Es ist das selbstverständliche Transportmittel der Dänen, 95 Prozent besitzen ein Rad. Auch ich selbst benutze mein Fahrrad oft, aus praktischen Gründen und auch zum Vergnügen.
Da das Radfahren einen gesunden Lebensstil und Umweltbewusstsein ausstrahlt, kann es teils als Modephänomen verstanden werden. Viel entscheidender ist jedoch, dass es besonders in Stadtgebieten oft einfach die klügere Wahl ist. Man muss nicht lange im Stau stehen oder nach einem Parkplatz suchen. Kein anderes Transportmittel kombiniert schnellen und günstigen Transport so effektiv mit Nachhaltigkeit und stärkt dazu die Gesundheit.
In Dänemark kümmert sich die öffentliche Hand - national und lokal, bei Verkehrspolitik und Stadtentwicklung - um die Radfahrer und baut die starke Stellung des Fahrrads im Transportsystem noch weiter aus. Es ist fester Bestandteil der Infrastrukturentwicklung in Klein- wie in Großstädten, wo fortlaufend in Radwege und -stellplätze investiert wird.
Und wir wollen noch mehr Menschen zum Radfahren bewegen. Dafür wurden bereits finanzielle Mittel zugeordnet, von denen ein Großteil für die Mitfinanzierung von kohärenten und innovativen Radprojekten in Städten vorgesehen ist, wo sich das Potenzial der Fahrräder durch viele Kurzstreckenfahrten am besten nutzen lässt. Die insgesamt 86 diesbezüglichen Projekte auf lokaler und nationaler Ebene haben auch private Partner.
Ein solches innovatives Projekt ist der neue 17 Kilometer lange hochklassige "Super-Radweg" aus dem Vorstadtviertel Albertslund ins Zentrum von Kopenhagen, bei dem verschiedene Behörden gemeindeübergreifend kooperiert haben.
Ich bin überzeugt, dass ein solcher ganzheitlicher Ansatz breitgefächerte und effiziente Lösungsstrategien in der Infrastrukturplanung vorantreiben kann. Dies gilt nicht nur für Dänemark, sondern für ganz Europa.
In vielen urbanen Gebieten haben die Behörden bereits innovative Ansätze geschaffen, um die Verhältnisse für Radfahrer zu verbessern. Um den Ideenaustausch zu unterstützen, widmet die dänische EU-Ratspräsidentschaft den Europatag (9. Mai) dem Thema "grüne Mobilität". Vor diesem Hintergrund gibt es in mehreren Hauptstädten Europas öffentliche Veranstaltungen der dänischen Botschaften, zum Beispiel in Wien die Diskussionsveranstaltung "Erdölunabhängige und klimafreundliche Mobilität und Wirtschaft?!". Angesichts der steigenden Spritpreise und des zunehmenden Bewusstseins der Notwendigkeit nachhaltigen und klimafreundlichen Wirtschaftens spielen Mobilität und Verkehr eine zentrale Rolle. Straßenmauten, differenzierte Steuern auf Treibstoffe und Fahrzeuge sowie Vorrang für klimafreundliche Mobilitätsformen haben dabei eine nationale und auch eine europäische Dimension. Darüber werden hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft morgen, Dienstag (18 Uhr), im Europahaus (1., Wipplingerstraße 35) diskutieren und so den "Grünen Europatag 2012" einläuten.