
Wien. Mit Anbruch der Dämmerung ist es so weit: In Schleifen radelt ein Mann durch das Wiener Museumsquartier. Rund einen halben Meter neben dem Fahrrad fährt ein grüner Lichtstreifen mit. "Wenn erst der stärkere Laser eingebaut ist", erklärt Josef Weidenhoffer, "wird die Lichtspur auch bei Tageslicht sichtbar sein." Der 71-Jährige hat im April seine "Laserlichtspur" zum Patent angemeldet: ein Gerät aus Alu in der Größe eines Zigarettenpackerls, das eine Lichtmarkierung als Abstandhalter auf die Straße projiziert.
Der pensionierte Verkäufer ist Erfinder aus Leidenschaft und tüftelt an technischen Lösungen für Alltagsprobleme. So entwickelte er in den 1980er Jahren einen Simulator für Lokführer, der damals nicht mit Hilfe von Computerprogrammen funktionierte, sondern über ein Modelleisenbahnsystem und eine in die Spielzeug-Lok eingebaute Kamera.
Ein paar Jahre ist es auch her, dass er zum ersten Mal - und zwar in Helsinki, wie er erzählt - einen dieser Abstandhalter fürs Fahrrad erblickte: Ein oranges Plastikteil, am Gepäckträger montiert, mit Katzenauge in der Mitte, das Autofahrer daran hindern sollte, zu knapp zu überholen. "Meine Frau hat mich auf die Idee gebracht", sagt er, "dass man einen ganz ähnlichen Effekt mittels Laserpointer erzielen kann."
Vom Ministerium unterstützt
Unterstützt vom Verkehrsministerium tat sich Weidenhoffer mit der Abteilung für Hochleistungslasertechnik der TU Wien zusammen. Dort optimierten Wissenschafter rund um Professor Gerhard Liedl und Thomas Schumi in rund 2000 Arbeitsstunden eine Laseroptik, die den Lichtstrahl so auffächert, dass er als Linie neben dem Fahrrad auftrifft. "Der Knackpunkt war", erklärt Weidenhoffer, "dass der Laser augensicher ist. Das heißt, dass er niemanden blendet, auch wenn das Fahrrad kippt."
Im November des Vorjahres war der erste Prototyp fertig, der dieses Kriterium erfüllt. Damit stehe der Serienreife des Gerätes nichts mehr im Weg, so Weidenhoffer. Derzeit sei er auf der Suche nach finanzstarken Sponsoren oder Fahrradproduzenten, die sich mit ihm zusammenschließen wollen. Zielgruppe des Lasers könnten ältere Leute sein, meint Weidenhoffer, oder Menschen, die sich im Straßenverkehr nicht sicher fühlen. "E-Bikes sind ideal, denkbar wäre es auch, die Technologie in Mopeds einzubauen."
Einen ersten Interessenten für den futuristischen Abstandhalter gibt es schon: "Verkehrspapst" Hermann Knoflacher, der emeritierte Universitätsprofessor am Institut für Verkehrsplanung der TU Wien. "Er hat gemeint, sobald es das Gerät im Handel gibt, ist er der Erste, der es kauft", freut sich Weidenhoffer.