Wien. Geht der plötzliche Boom im Wiener Radverkehr auch schon wieder zu Ende? Nachdem im gesamten Vorjahr ein sattes Plus von rund 20 Prozent an den Zählstellen im Radwegenetz registriert wurde, ging es heuer im ersten echten Radmonat fast durchwegs wieder bergab. Wiewohl der Mai wettermäßig alles andere als ins Wasser fiel, gab es werktags an fünf von acht Zählstellen ein Minus - das deutlichste mit 32 Prozent weniger Radlern am Liesingbach. Ebenfalls deutlich weniger waren in der Langobardenstraße (-16,5) unterwegs, jeweils 6,2 Prozent betrug das Minus in der Argentinierstraße und am Donaukanal; minus 4,3 Prozent waren es an der Wienzeile.
Entgegen dem Trend setzte es am Opernring, der meist-befahrenen Stelle im gesamten Netz, ein Plus von 6,1 Prozent - weil dort dank des Ausbaus nun auch die Radfahrer an der inneren Ring-Seite dazugezählt werden.
Dass insgesamt derzeit der werktägige (Berufs-)Radverkehr stagniert, beweisen auch die Daten aus dem ersten Quartal mit einem Minus von 0,4 Prozent. Auffällig ist hingegen, dass es an Wochenenden und Feiertagen deutliche Zuwächse gibt - mit bis zu 27Prozent mehr Radfahrern.
"Radwegausbau wirkt"
Angesichts der aktuellen Daten könnte das politische Ziel der Stadt, bis 2015 von 6 auf 10 Prozent Radfahranteil zu kommen, verfehlt werden. Wie auch Martin Blum, der Chef der Radagentur, bestätigt, brauche es dafür tatsächlich ähnliche jährliche Zuwachsraten wie im Vorjahr - "dann geht es sich aus". Generell will Blum die Mai-Zahlen nicht überbewerten: Beim Liesingbach sei etwa eine Baustelle am Einbruch verantwortlich; außerdem habe es auch im Vorjahr im Sommer noch ein Minus gegeben, das dann im Herbst in ein ansehnliches Plus verwandelt worden sei. Die Zahlen am Ring würden aber schon eine deutliche Sprache sprechen: "Das beweist, dass der Ausbau der Radinfrastruktur etwas bewirkt", erklärt Blum.
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