
Chorherr über Grüne Verkehrspolitik: "Ja, wir greifen durch diese Maßnahme tief in das Leben vieler Menschen ein."APAweb / Herbert P. Oczeret
Chorherr über Grüne Verkehrspolitik: "Ja, wir greifen durch diese Maßnahme tief in das Leben vieler Menschen ein."APAweb / Herbert P. Oczeret
Mit der Entscheidung der Wiener Stadtregierung, die Parkraumbewirtschaftung in Wien zu erweitern, die Bevölkerung aber erst danach um ihre Meinung zu fragen, geht der politische Kampf um das Autofahren in der Stadt weiter. Der Grüne Planungssprecher Christoph Chorherr – der vielen als Mastermind hinter der grünen Verkehrspolitik gilt – im Gespräch mit Freitritt, dem Radblog der Wiener Zeitung, über Mobilität, weitsichtige Stadtplanung und die Bewohnerinnen des Speckgürtels.
(Das Interview findet in einem Schanigarten im Alten AKH statt. Chorherr kommt auf seinem Brompton Faltrad mit wenigen Minuten Verspätung angeritten und trägt sein Vehikel sogleich ins Innere des Lokals. Es sieht so aus, als könnte jeden Moment ein Gewitter losbrechen. Während des einstündigen Interviews bleibt es jedoch niederschlagsfrei.)
Sie sind Planungs- und Verkehrssprecher der Wiener Grünen. Aber offizielle Funktion in der Stadtregierung haben Sie keine. Erklären Sie mir doch bitte, wie Sie Einfluss auf das politische Geschehen nehmen.
Meine Rolle ist die eines politischen Anstoßers und Projektentwicklers. Im Ressort von Maria Vassilakou bin ich mit Stadtplanung, Energie und Radfahren sowie generell mit einigen Sonderprojekten im Bildungsbereich befasst. Bei aller Klarheit darüber, wer die endgültigen Entscheidungen trifft – das ist Maria Vassilakou zusammen mit dem Bürgermeister – braucht es Leute, die helfen, Entscheidungen vorzubereiten. Und das ist meine Rolle. Im Zuge des rasanten Stadtwachstums kommen Bauträger, die Projekte vorstellen. Die schaue ich mir im Vorfeld an. Es geht da um Fragen wie: Was soll gebaut werden? Soll überhaupt gebaut werden? Welche Ziele verfolgt man? Wie kann man Umwelt-verträglichen Verkehr berücksichtigen? Ich versuche im Dialog mit Bauträgern und Planungsbeamten, frühzeitig zu schauen, wie die Dinge anders, besser, grüner laufen könnten.
Das heißt, viel von Ihrem Wirken wird man erst in
einigen Jahren in der Stadt sehen können...
Ehrlich gesagt: 80 Prozent davon erst 2017 und in den Folgejahren. Manches geht natürlich auch kurzfristig: Etwa im Radverkehr. Aber im Planungsbereich ist das, was jetzt eröffnet und gebaut wird, vor zumindest fünf Jahren geplant worden. Das widerspricht übrigens der Idee, Politiker würden immer nur kurzfristig bis zur nächsten Wahl denken. Würde ich das tun, müsste ich drei Viertel meiner Arbeit einstellen.